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 Zimmer 3

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Leonardo Fabbri
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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Mo Mai 27, 2013 6:21 am

»APPLAUS APPLAUS
FÜR DEINE ART MICH ZU BEGEISTERN«

... some years ago - i think i fell in love with you ...

Insgesamt zwei Mal hatte sich Leon in seinem bisherigen Leben verliebt. Also so richtig verliebt und nicht nur so eine wankelmütige Schwärmerei für eine Frau, bei der es letztlich doch nur im Sex gegangen war. Genau genommen waren es 2 1/2 Mal gewesen, denn beim dritten Anlauf hatte er sich innerlich nicht wirklich entscheiden können, ob er dieses damalige Mädchen wirklich liebte, oder ob es nur wieder so eine kurze Gelegenheitsbeziehung aus der Sitaution heraus war. Über die Jahre hinweg hatte er hin und wieder darüber nachgedacht, ob er sich vielleicht nicht auf die Frau vor ihm richtig konzentrieren konnte, weil er mit einer alten Liebe noch nicht abgeschlossen hatte. Meisten allerdings hatte er diesen Gedanken wieder verworfen in der Überzeugung, eben doch nicht vollkommen verliebt gewesen zu sein.
Weitesgehend war sein Liebesleben von kurzen One-Night-Stands, heißen Affären oder kurzen, prinzipiell nur für ihn vorteilhaften Beziehungen geprägt gewesen, sodass es sich mit der Zeit eingebürgert hatte, dass Leon vermutlich gar nicht treu sein, oder über einen längeren Zeitraum hinweg lieben konnte. Tatsächlich konnte er das aber sehr gut, denn die Tatsache allein, dass er nur zwei bzw drei Mal wirklich verliebt war, zeigt ja eigentlich schon, dass er im Grunde eine treue Person ist. Seine erste Liebe war Elicia gewesen, doch wie das Schicksal so spielte sollte ihre Beziehung nach einem Jahr durch ihren verlorenen Kampf an Krebs in Grund und Boden getreten werden. Beim zweiten Anlauf war es Penny gewesen, die er inbrünstig liebte, doch mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass sie wohl eher doch nur die Kumpel- als die Pärchentypen füreinander waren. Zuletzt war dann jenes Mädchen in sein Leben getreten, bei dem er sich nie sicher gewesen war. Bei ihr hatte er immer das Gefühl endlich angekommen zu sein, soetwas wie inneren Frieden zu finden, den er doch sonst nie hatte und ihr immer vertrauen zu können, ohne jemals Angst haben zu müssen, sie könnte irgendetwas was er sagte, ernsthaft gegen ihn verwenden. Sie hatte Augen wie das Meer gehabt.

Diese Augen hatte das Mädchen noch heute, nur war sie inzwischen eine Frau und er sich immer noch nicht sicher, was das eigentlich zwischen ihnen gewesen war. Für Lilly wohl eine perfekte Beziehung, bestehend aus wildem Sex, leidenschaftlichen Küssen und einer engen Vertrautheit. Tja und für ihn war es damals alles ein nicht enden wollendes Spiel gewesen, bei dem er endlich eine Mitspielerin gefunden hatte, die für einige Zeit seine Kameradin gab und bei der er viel zu spät merkte, dass es sich vielleicht doch gelohnt hätte Kontakt zu halten.
Die Dinge hatten sich inzwischen verändert. Sie waren fast noch unterschiedlicher als früher - schon allein aufgrund ihrer Berufswahl, dass sie beide einen Sport ausübten zählte da auch nicht viel.
Während Leon so auf dem Rücken lag, einen Arm um Lilly gelegt, den anderen auf dem Bauch kreisten seine Gedanken um all das, was sie wohl nachzuholen hatten. Erst als die Dunkelhaarige sich aus ihrer kurzen Schockstarre - in der sie ihn ansah, als sei er ein Außerirdischer - befreit hatte und ihn wütend anfunkelte, kam er wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Gut, vielleicht war dieser "Scherz" nicht unbedingt eine seiner besten Ideen gewesen, das gab er ja zu, aber mit sowas musste man ihm wohl immer rechnen.

Der Römer wandte der angehenden Tierärztin wieder den Blick zu, doch das belustigte Funkeln wich auch langsam aus seinen Augen, als sie ihn so finster ansah. Also kam nur die Unschuldsmiene und ein abtuendes Schulterzucken, was wohl soviel bedeuten sollte wie: Na und?! Mach keine große Sache draus, du kennst mich doch!
Er drückte Lilly noch einmal einen Kuss auf die Lippen, ganz gleich, ob sie ihn erwidern, oder stumm über sich ergehen lassen würde und drehte sich dann wieder auf den Rücken, ließ es ihr aber offen die zuvorige Nähe wiederherzustellen. Vermutlich war ihm bewusst, dass er den eigenartig schönen Moment von vorhin zerstört hatte, abver vielleicht gab es in dem Blonden ja doch soetwas wie Reue und Bedauern für solcherlei Sachen.
"Wo willst du eigentlich in fünf Jahren stehen? Beruflich ... in einer Beziehung ... mit Ruhm und Erfolg ...?"
Die Frage kam so gedankenverloren aus seinem Mund, dass es schon gar nicht mehr zu dem sonst so arroganten Römer passte, der doch eigentlich gar nicht so arrogant war, wie er sich gab. Wenn man Penny oder Jonny oder Chris, oder sonst jemanden von Leons Freunden gefragt hatte, dann hatten sie ihn niemals als eingebildet oder arrogant beschrieben. Im Gegenteil für sie war er stets eine Person auf die sich verlassen konnte und die auch zu ihnen Stand, obwohl zwischen ihnen aufgrund seiner Bekanntheit inzwischen Welten lagen.
Leon war bereit die Frau seines Lebens auf Händen zu tragen und seine Welt ihr zu Füßen zu legen. Doch bislang war dies immer schief gegangen ...

{Gedanken | bemerkt Lillys Wut | unpassende Frage}

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Lillian Adams
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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Sa Jun 15, 2013 11:31 pm

Die Sache war, dass Lilly Leon nicht wirklich böse sein konnte. Er war ein blöder Mistkerl, ja, stimmte schon, aber er war ihr blöder Mistkerl. Sie hatte nicht unbedingt vor, sich den Abend jetzt mit einem blöden Streit vermiesen zu lassen. Nicht, wenn ihr Körper gerade diese postcoitus-Phase erreicht hatte, in der sie sich komplett entspannen konnte. Sie genoss diese Zeiten immer, gerade, wenn sie das Glück hatte, dass neben ihr dieser Mann lag, den sie schon ihr ganzes Leben lang bewundert hatte. Naja. Seit sie ihn kannte. Aber mit Leon, mit Leon war das alles anders als mit den anderen. Auch, wenn er es schaffte, alles kaputt zu machen, machte er es doch auch wieder heile, und das nur mit seiner puren Anwesenheit.
Es war bekloppt, komplett hirnrissig, aber was sollte sie auch tun. Sie war halt nicht mehr sauer in dem Moment, als er sie küsste. Sie wusste, dass er nicht mehr ganz richtig im Kopf war manchmal, weil er Angst hatte. Angst vor Vertrauen und so wa,s das übliche. Aber sie wusste auch, dass sie das nicht zu ernst nehmen durfte, dass sie darüber hinwegsehen musste. Sie wusste vieles über ihn, viel mehr, als er vermutlich gerade dachte. Er verstand nicht, dass sie ihn verstand, oder zumindest vieles von ihm. Noch immer war er ihr ein Rätsel, ja. Aber er war ein Rätsel, das sie lösen konnte.
Aber dafür brauchte man Ruhe, Konzentration, Zeit und Ausdauer. Es würde nichts bringen, wenn Lilly jetzt davon laufen würde, um sich nur noch mehr mit ihm zu streiten. Das würde gar nichts bringen. Also blieb sie hier, ohne auch nur die Alternative in Betracht zu ziehen. Leon war eine Konstante in ihrem Leben, war er immer gewesen, und jetzt würde sie für ihn eine Konstante in seinem Leben sein. Er würde sie nicht mehr loswerden. Sie waren jetzt viel mehr als damals. Als sie noch Kinder waren. Nicht nur, dass sie jetzt erwachsen waren. Sie waren jetzt auch Freunde, nicht nur zwei Menschen, die Sex hatten.

Und dann kam Leons Frage. Lilly hatte sich wieder an ihn geschmiegt, ihren Kopf zurück auf seine Schulter, ihren Arm über seine Brust gelegt, als er fragte. Und es war eine gute Frage. Was wollte sie in ein paar Jahren machen? Und plötzlich wurde ihr klar, dass sie es eigentlich gar nicht wusste. Sie hatte Träume. Träume, die gar nicht mal so viel damit zu tun hatten, dass sie gerade studierte, um Ärztin zu werden. Es überraschte sie, und während ihre Gedanken so flogen, vergingen Sekunden um Sekunden und sie ließ Leon warten, während sich Bilder in ihrem Kopf bildeten.
In fünf Jahren wollte sie einen kleinen Hof haben. Ein paar Pferde, die sie alle selbst ausbildete. Junge Pferde, die mal zu großen Turniersiegern werden würden, deren Fohlen sie auf ihrem Hof ebenfalls ausbilden würde. Der Versuch einer kleinen Zucht, und dazu weiterhin Turniere reiten. Mit Pferden und Menschen arbeiten, vielleicht eine kleine Praxis in einem Teil des Stalls, in dem sie Patienten empfing und hielt. Vielleicht ein Hund, vielleicht auch zwei. Und vielleicht ein Mann an ihrer Seite. Vielleicht auch einen mit weichem blondem Haar, leuchtend goldenen Augen und einem viel zu klugen Hund. Vielleicht.

"Ganz ehrlich? Ich hätte gern einen Hof. Ein beschauliches Leben einer kleinen Turnierreiterin und Tierärztin." Sie lächelte gedankenverloren. Ihre Fingerspitzen folgten der Linie seines Brustbeins, fuhren den Knochen wieder und wieder nach, und ihr Blick war darauf gerichtet, ohne wirklich irgendwas zu sehen. Sie atmete tief, und drückte einen Kuss auf sein Schlüsselbein, wo ihr Kopf lehnte. "Wer weiß, vielleicht lad' ich dich ja auch mal dorthin ein." Das war das große Vielleicht in ihrer Zukunft; würde Leon bleiben? Würde sich wieder mehr entwickeln? Würde es dieses Mal vielleicht halten? Oder würden sie doch wieder an Träumen und Temperament scheitern?

"Was ist mit dir?", wunderte sie sich schließlich. "Was machst du in fünf Jahren?"

Fünf Jahre, das wusste sie, fünf Jahre waren eine verdammt lange Zeit. Sie hatten es ja am eigenen Beispiel erfahren dürfen. Vor fünf Jahren, vor nur fünf Jahren, hatten sie sich auf dem Reitinternat kennen gelernt, ein gebrochener, arroganter Junge mit dunklem Herzen und ein gebrochenes, naives Mädchen mit zu offenem Herzen. Sie waren so unterschiedlich gewesen, und doch hatte das Schicksal sie damals so zusammengeführt, um sie mit aller Kraft wieder voneinander wegzureißen. Vielleicht war es nur Ironie, aber in den letzten fünf Jahren waren sie sich näher gekommen, ohne was miteinander zu tun zu haben.
Was hatten also die nächsten fünf Jahre für sie auf Lager?


{ Gedanken | Leons Frage | Antwort | Gedanken }

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Leonardo Fabbri
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BeitragThema: Re: Zimmer 3   So Jun 16, 2013 5:22 am

» I KEEP ON RUNNING
I'M BUILDING BRIDGES THAT I KNOW YOU NEVER WANTED
LOOK FOR MY HEART YOU STOLE IT AWAY
NOW ON EVERY SINGLE ROAD THAT I COULD TAKE«

... Listen, I want you to burn my bridges down...

Oftmals hatte sich der stolze Römer gefragt, ob er das verdient hatte. Auch jetzt kreiste in seinem Kopf diese Frage. Ob er Lillys Liebe wirklich wert war. Inzwischen war sie ein Teil von ihm und er konnte sich verdammt noch mal nicht vorstellen, irgendeine Frau jemals wieder so nah an sich heran zu lassen. Lilly kannte nicht die komplette Geschichte, wusste nicht, warum er war, wie er war. Wusste nicht, dass er vor langer Zeit einmal vielleicht genau der Typ gewesen war, den sie vielleicht für immer an ihrer Seite wollte. Als sie ihn damals einmal gefragt hatte, was bei ihm passiert war, dass er verstehen konnte, wie es war einen so sehr geliebten Menschen zu verlieren (das war kurz nach dem Tod ihrer Mutter und ihrer Rückkehr auf die Horizon Ranch), hatte er nur geantwortet, dass er seinen Großvater verloren habe. Natürlich hatte er ihren fragenden Blick und die erwartungsvolle Haltung von ihr registriert, doch er hatte nichts erzählt. Niemals hatte er irgendjemandem außer seiner Schwester, Jonny, Chris und Penny erzählt was wirklich geschehen war.
Im Nachinein hätte er sich dafür oft in den Arsch beißen können, dass er Lilly nicht mehr gesagt hatte, wo sie ihm gegenüber doch immer offen gewesen war. Doch das Irrsinnige war eigentlich, dass sie ihn trotzdem zu verstehen schien - obwohl sie nicht wusste, was in ihm drin steckte, akzeptierte sie es und fing ihn immer wieder auf. Hatte er so ein Vertrauen wirklich verdient? Und wenn ja, warum zur Hölle konnte er ihr nicht sagen, was passiert war? Sie hatte es ihm doch auch erzählt. Fragen würde sie wohl nicht noch einmal. Wobei ... es war Lillian Adams, da konnte man sich nie sicher sein. Sie war hartnäckig wie kein anderer Mensch.

Die Wärme von ihrem Körper war wieder zurück, als sich die Dunkelhaarige wieder an ihn schmiegte. Leon betrachtete sie eine Weile, wie sie gedankenverloren über seine Frage nachzusinnen schien. Ein wenig irritiert, dass er sich wegen diesem Späßchen nicht mehr anhören durfte. Doch war es wohl besser so, wenn sie das Thema ruhen ließen.
Die Minuten verstrichen und noch immer schien sich Lilly nicht entschieden zu haben, wo sie sich in fünf Jahren sah, also übte sich Leon in der Geduldssache, etwas was ja nicht so seine Stärke war, doch der Wille zählte. Und der wurde in diesem Moment auch belohnt, als ihre Stimme an sein Ohr drang und ihre Finger über sein Brustbein fuhren.
Auf einem Hof - hatte er sich eigentlich denken können. Dieser Gedanke ließ ihn unwillkürlich schmunzeln, es war irgendwie typisch für Lilly. Ein kleiner Hof, ein paar Pferdchen vielleicht auch ein paar andere Tiere, eine schöne idyllische Landschaft und eine angenehme Gesellschaft. Sie war wirklich einer der harmoniebedachtesten Menschen, die er kannte. Und genau das weckte in ihm immer wieder das Gefühl sie unbedingt festhalten zu müssen.
Als sie meinte, sie würde ihn vielleicht einmal dorthin einladen, entwich ihm ein leises Lachen.
"Das ist wirklich sehr großzügig von dir. Dann will ich aber auch hoffen, dass du keinen anderen Mann einmal zu dir einlädst."
Irgendetwas an dem Funkeln in seinen Augen war anders, als er Lilly bei diesen Worten ansah. Es war zum ersten Mal wieder das pure Glück, dass sich dortdrin wiederspiegelte. Leonardo Fabbri war 23 Jahre und hatte bereits die Europameisterschaft gewonnen - als Teamkapitän, obwohl ihn die meisten für zu jung hielten, doch der Trainer und die Mannschaft mehr auf ihn setzten, als auf einen anderen. Und nicht einmal bei der Übergabe dieser heißbegehrten Trophäe hatte man dieses eigenartige Funkeln in seinem Blick gesehen. Möglicherweise war es doch ausgerechnet Lilly, die ihn komplett machte.

Wo war er in fünf Jahren? Tja - gute Frage eigentlich. In fünf Jahren war er 28 ganz oben auf dem Gipfel seiner Karriereals Fußballer, kurz vor dem Abfall der Leistung, der jeden spätestens mit 30 einholte. Wo war er also zu diesem Zeitpunkt?
"In fünf Jahren ... mache ich noch immer das, was ich immer getan habe: Durchhalten. Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weiterlaufen." Da lag eine gewisse Melancholie in seiner Stimme. Leon wirkte ein wenig - nunja, versunken. Doch dies schien ihm auch aufzufallen. "Klingt dramatisch, hm? Nun ich denke in fünf Jahren werde ich, zum einen den Höhepunkt meiner Karriere erreicht haben, zum anderen - hoffe ich mal schwer - die Weltmeisterschaft gewonnen haben und endlich einmal, oder mehrmals Weltfußballer geworden sein. Bei einem großen Verein spielen und mich vielleicht hin und wieder aus der Stadt hinaus aufs Land begeben, um einer gewissen Einladung nachzukommen."
Er grinste sie an. Ja, vermutlich erwartete man das von Leon. Dass er Titel holte, weiterlief, immer weiter. Er war der Antrieb.
In seinem Leben drehte sich fast alles ausschließlich um Fußball und bisher war das auch nie ein Problem gewesen, aber irgendwie machte es ihn etwas nachdenklich, dass seine Karriere ihm vielleicht die Zeit für Lilly rauben konnte. Und wenn es nur gelegentliche Besuche waren. Er wusste, dass ihm das über Jahre hinweg nicht reichen würde.
Vielleicht war es an der Zeit sich einzugestehen, dass sie die Frau in seinem Leben war ... Doch es war verdammt schwer, das zu realisieren.


{Melancholie | Lillys Antwort | denkt nach | Antwortet selbst}

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   So Jun 16, 2013 8:42 am

Manchmal wunderte Lilly sich noch immer, warum war sie nicht gegangen und hatte sich nie wieder umgedreht? Warum hatte sie Leon nicht zum Mond geschossen, nachdem er sie so hatte hängen lassen? Warum war er immer ihr weicher Punkt gewesen, den sie nicht hatte loslassen können? Es wäre so einfach gewesen. Er hatte sie im Stich gelassen, sie nur benutzt und dann fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, als es an der Zeit gewesen war, die Ranch, auf der sie sich kennen gelernt hatten, zu verlassen.
Aber sie hatte ihn nicht vergessen. Sie hatte seine Karriere beobachtet aus der Enternung, wie wohl viele andere. Leute, die sie weniger lange kannten als Leon und Penny, die hatten nicht gewusst, was das alles auf sich hatte. Für die anderen war sie nur ein Fußballfan gewesen, mit einer bestimmten Vorliebe für diesen einen italienischen Fußballspieler. Sie hatte sich immer zusammenreißen müssen, sie nicht zu verbessern. Er ist kein Italiener, hatte sie immerzu sagen wollen, Er ist Römer. Großer Unterschied.
Und jetzt waren sie hier. Und sie waren Freunde geworden, und es schien, als wären sie das zum ersten Mal in all der Zeit, die sie verbunden gewesen waren. Damals, als sie nur naive Kinder gewesen waren, denen das Leben gern Streiche spielte, da waren die Dinge zwischen ihnen ziemlich schnell eskaliert. Liebe, hatten sie es genannt. Vielleicht war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Aber Lilly konnte sich an keine Zeit erinnern, in der sie ihn nicht geliebt hatte, in der sie beide nicht ein Paar gewesen waren. Und hier, hier waren sie auf einmal Freunde.
Wenn auch jetzt Sex im Spiel war.
Aber trotzdem waren sie noch Freunde, gute Freunde. Sie vertrauten einander, und dieses Vertrauen, das hatte vorher gefehlt. Jetzt waren sie zwei Erwachsene, die wussten, was sie taten, die sich auf eine Beziehung einließen, die auf Freundschaft und Sex gebaut war. Freunde mit gewissen Vorzügen also so quasi. Nur mit heißeren Hauptdarstellern. Weil egal, wie gutaussehend Justin Timberlake war, er konnte es nicht mit einem Leonardo fucking Fabbri aufnehmen. Das war halt so.

Leons Antwort war irgendwie klar gewesen. Natürlich, Fußball. Leon ohne Fußball war wie Sommer ohne Sonne oder Pommes ohne Mayo oder Pizza ohne Käse. Leon war ein Vollblutfußballer, genauso, wie sie eine Vollblutreiterin war. Es gab Dinge, die sich wohl niemals ändern würden. Sie konnte es kaum erwarten, ihn dort oben zu sehen. Nicht nur ein aufgehender Stern am Fußballhimmel, sondern ein Stern, der niemals verglühen würde. Das klang wie etwas, das sie mit tiefer Freude erfüllen könnte.
Genauso wie sein kleiner Kommentar darüber, dass er da sein würde, wenn sie ihn einlud. Das bedeutete, dass er dieses Mal nicht gehen würde. Dieses Mal würde er bleiben, wenn nichts lebensveränderndes dazwischen kam. Und es klang, als redete er von mehr als nur dem freundschaftlichen Dasein. Lilly verstand nicht, wieso - sie war doch nicht mehr verliebt -, aber dieser Kommentar, der ließ eine Wärme durch ihren Körper fließen, die sie definitiv sehr an früher erinnerte.

"Davon kannst du ausgehen.", antwortete sie leise zu seinem Kommentar, sie solle keine anderen auf ihren Hof einladen. Das hatte sie nicht vor. Neben diesem Römer verblassten alle anderen Männer eh zu unwichtigen Nebenfiguren. Also von dem gesehen konnte er davon ausgehen, dass, wenn er nicht ging, sie auch nicht gehen würde. So einfach war es.
Sie drehte den Kopf, um ihn anzusehen, beobachtete ihn. Drückte ihre Lippen auf die Linie seines Unterkiefers, als er fertig war. Ja, das war so er. Das war Leon, wie sie ihn kannte. Immer so stark, immer mit großen Träumen, großen Zielen. So gebrochen tief drin, aber trotzdem immer weiter machend. Wie hatte er gerade so schön gesagt: "Durchhalten. Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weiterlaufen." Das war er immer gewesen, das würde er immer sein.

"Ich weiß, dass das wohl nicht viel zählt, aber für mich bist du definitiv der beste Fußballer der Welt.", meinte Lilly, die Stimme noch immer gesenkt, weil es viel zu intim war, um es durch den ganzen Raum zu krakehlen, mit einem weichen Lächeln auf den Lippen. Diese drückte sie jetzt auf die seinen, einfach, weil sie es konnte. Sie hatte es vermisst, ihn zu küssen. "Ich mein's ernst."



{ Gedanken | LEON's Antwort | antwortet ihm }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Di Jun 18, 2013 5:12 am

» TELL THEM I WAS HAPPY AND MY HEART IS BROKEN
ALL MY SCARS ARE OPEN
TELL THEM WHAT I HOPED WOULD BE IMPOSSIBLE«

... Falling out of love is hard Falling for betrayal is worst
Broken trust and broken hearts; I know...


Alte Zeiten sollte man hinter sich lassen. Nie mehr zurückschauen und am Besten alles Schlechte vergessen. Der Haken bei dieser Sache war, dass wenn man sich nicht mehr an das Schlechte erinnerte, auch nicht aus seinen Fehlern lernen konnte.
Dem Gedanken an die Vergangenheit hatte Leon immer wach gehalten, obwohl es eine zermürbende Qual war, sich immer wieder an die schreckliche Folterei zu erinnern in der sein Großvater das Leben ließ. Der Fußball und die Karriere als Profi hatte ihn diese furchtbare Zeit immer ein wenig verdrängen lassen können. Es geisterten nicht mehr jeden Tag ausschließlich die Schuldgefühle in ihm herum, sondern auch der Kämpfer- und vor Allem der Siegerwille war wieder erwacht. Einzig und allein die eingebrannte Nummer an der Unterseite seines Handgelenks war dann noch ein Beweis dafür, dass es in seinem Leben nicht immer rund gelaufen war. Eine Nummer, die immer die seine gewesen war, und trotzdem soviel Schande über ihn gebracht hatte. Eine Nummer, die man in die Haut brannte, wie man ein Pferd sein Brandzeichen verlieh und die in diesem Moment nach dem Sex ohne das schützende Lederarmband allen Blicken offen entgegen sprang.
Zufrieden sah Leon Lilly an, als sie meinte, er könne davon ausgehen, dass er keine Konkurrenz bekam. Natürlich hätte er jetzt soetwas sagen können wie 'Gut, denn ich wollte allen meinen Geschlechtsangehörigen diese erschütternde Niederlage ersparen.', doch er tat es nicht. Warum auch immer. Wie gesagt, es gab wohl doch hin und wieder diese weiche Seite in ihm, die dann und wann zum Vorschein kam.

Der blonde Römer warf einen Blick hinüber zu Bella, die sich aber offensichtlich nicht von ihren Aktivitäten stören ließ. Die kleine Lady wurde älter und ihre damit einhergehende gelegentliche Ruhe war manchmal sogar sehr willkommenswert. Er spürte, wie Lilly ihm einen Kuss auf seinen Unterkiefer drückte und leise zuhauchte, dass er für sie der beste Fußballer der Welt sei und wenn ihn da nicht alles täuschte, war sie die Erste bei der ihn diese Worte wirklich erfreuten. Er hatte schon oft gehört, dass er ein guter Spieler sei, möglicherweise der Beste, das hatten ihm schon mehrere Frauen, Möchtegern-Freunde und lockende Vereine versichert. Doch nur bei Lilly ging ihm das wirklich näher, als es vielleicht eigentlich sollte. Klar wusste Leon, dass noch ein Stück Arbeit vor ihm lag, um es wirklich mit Größen wie Ronaldinhio, Ferguson&Co aufnehmen zu können, aber er war schon recht nah dran an Ronaldo und früher oder später würde auch Messi nicht mehr so weit sein. Aber wie gesagt: Geduld war nicht so Leons Ding, vielleicht würde es also doch nicht mehr so lange dauern bis einer seiner Träume war wurde ...
"Doch das zählt was, Lil."
Der Klang seiner Stimme und der starke römisch-italienische Akzent ließ Lil, wenn Leon es sagte, immer melodischer klingen, als es wohl die meisten mit viel Übung sagen konnten.
Als sie ihn küsste fuhr seine Hand, die sie eben noch im Arm gehalten hatte, durch das dichte Haar und strichen es zurück, während sich seine Lider doch tatsächlich ein wenig senkten. Sie schlossen sich nicht ganz, doch für einen Augenblick schien der Blonde loszulassen.
Zumindest bis er realisierte, dass er seine andere Hand neben seinem Kopf drapiert hatte und ihr somit freie Sicht auf sein gut gehütetes Geheimnis, in Form der Nummer, gab. Und Lilly hatte wohl die Augen nicht geschlossen gehabt ...


{Vergangenheit | Lillys Worte |kurzes loslassen }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Sa Jun 22, 2013 6:56 am

Lilly konnte förmlich spüren, wie sich Leon unter ihr entspannte. Er war weich und nachgiebig unter ihr, als sie ihr Gewicht ein wenig verlagerte, sich ein wenig mehr auf den Bauch drehte, um den Kuss zu verlängern, zu intensivieren. Das war keiner von diesen Ich will dich, zieh dich schon mal aus Küssen, sondern einer von diesen Küssen, die langsam entstanden und langsam zu Ende gingen, die Versprechen enthielten und andere Sachen, die man nicht in Worte fassen konnte. All das steckte in diesen langsamen Bewegungen ihrer beider Lippen zusammen.
Wenn Lilly für den Rest ihres Lebens nichts anderes haben konnte als das, wäre es doch genug.
Leon strich ihr durchs Haar und seine Augen fielen langsam ein wenig zu. Lilly liebte es, ihn bei dieser Art von Küssen zu beobachten. Sie liebte es, zu sehen, wie seine Augen verschleierten, wie er endlich los ließ, endlich aufhörte, diese Maske zu tragen, hinter die sie zwar immer gucken konnte, aber ohne die sie ihn so selten sah. Er sah dann immer so friedlich aus, wenn er sich entspannte, und so viel jünger. Es stand ihm gut. Es stand ihm sogar verdammt gut. Und sie genoss es, dass sie die Einzige war, die ihn jemals so gesehen hatte. Denn sie war sich ganz sicher, dass er das nicht mal eben so jedem zeigte.

Die junge Kalifornierin veränderte den Winkel des Kusses leicht, drehte ihren Kopf ein wenig mehr in die Berührung seiner Hand in ihren Haaren, um ihn zu animieren, weiterzumachen, und in der Sekunde gefror er quasi unter ihr. Wirklich, sie konnte es spüren, wie die langen Muskeln in seinem Körper sich anspannten. Sein Körper wurde still, seine Augen aufgerissen, seine Lippen bewegungslos unter ihren. Sie verstand nicht. Was war los? Hatte sie etwas falsch gemacht? Das konnte doch nicht -
Und dann sah sie es.
Leons gesamter Körper schien sonnengeküsst, braune Haut mit goldenen Härchen darauf und schlanken, eleganten, aber so starken Muskeln darunter. Das war Leon, immer schon gewesen. Doch es gab, wie sie jetzt sah, einen Flecken Haut, der fast niemals Sonne sah, wie es schien, noch immer die weiße Hautfarbe des Winters tragend. Dort trug er normalerweise immer ein Armband, sie konnte sich noch daran erinnern, ihn deswegen ein bisschen geärgert zu haben - einfach, weil sie es konnte. Und jetzt war es nicht da, und sie sah den Grund, warum er es niemals zuvor nicht getragen hatte. Und sie verstand, warum er gefroren war unter ihrem Kuss.

"Oh Baby"

Ein Murmeln, kaum mehr, gefüllt von allem außer Mitleid. Sorge, Schmerz, Bedauern. Kein Mitleid. Sie wusste, dass er dieses Gefühl verachtete. Weil er es für schwach hielt. Und sie hatte kein Mitleid. Nicht wirklich, nein. Sie konnte sich nur vorstellen, was diese Narben bedeuteten, diese Nummern. Und sie konnte sich den Schmerz vorstellen, die Angst. Er musste noch sehr jung gewesen sein, so, wie verblasst sie waren. Und es tat ihr weh, zu wissen, dass Leon - ihr Leon - so etwas mal gespürt hatte. Sie wollte am Liebsten in ihn reinklettern und solange dort bleiben, bis es ihm besser ging, bis der Schmerz verschwunden war.
Lilly folgte einem Impuls, als sie ihre Finger durch die seinen schob, an eben jener Hand, und sie zu ihrem Mund führte, um ihre Lippen genau auf die Stelle zu drücken. Sie schloss die Augen, während sie es tat. Sie konnte die leichte Unebenheit der Narben fühlen, genauso wie seinen rasenden Puls. Sie wusste nicht, was sie sonst machen sollte. Sie wusste nicht, was zu sagen oder was zu tun, wie zu reagieren, also tat sie das, was sie am Besten konnte: ihn küssen. Für einige Sekunden ließ sie ihre Lippen dagegengepresst, so etwas wie Tränen hinter ihren Augenlidern am prickeln, bevor sie ihren Mund davon löste und Leon ins Gesicht sah, um einen weiteren, beruhigenden Kuss auf seine Lippen zu drücken.
Der Blick in seinen Augen, so voller Panik, der tat auch weh. Als hätte er Angst, dass sie ihn verletzen könnte - oder verlassen. Als ob sie das jemals tun würde. Tun könnte.

"Es ist ok, Baby.", flüsterte sie, weil sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte. Noch immer hielt sie seine Hand fest in der ihren, noch immer waren ihre Lippen quasi auf seinen, noch immer die Augen geschlossen. "Es ist ok." Zu wem sie das sagte, war auch nicht wirklich klar.


{ Kuss | LEONs Narbe | Kuss }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Sa Jun 22, 2013 7:52 am

» WHEN I WAS A KID
MY GRANDFATHER WAS A PREACHER«

... he talked about God
Yeah he was something like a teacher...


Noch bevor er es wirklich realisieren konnte, brannte sich der Schmerz in seine Haut, griff bis tief in sein Fleisch bis er schließlich sein Herz erreichte und sich dort hineinbohrte. Ganz tief. Und dort würde er noch ein komplettes Jahr bleiben.
Niemand half. Es waren die kaltherzigen Augen, vollkommen frei von Mitgefühl oder soetwas wie Bedauern, die auf ihm ruhten und einen Schrecken versetzten. Wehren war zwecklos, das sollte er noch lernen. Flucht ebenso. Tief schnitten die Seile in seine Fesseln und als das ganze Prozedere vorüber war, hatten sie blutige Striemen hinterlassen. Sie waren fertig mit ihm, er konnte gehen. Doch die Narben würde für immer bleiben und sie würden ihn immer wieder erinnern. Erinnern, dass er es nicht verdient hatte.

Die Schockstarre hielt an. Es war, wie wenn man nachts auf einer Landstraße fuhr, durch einen Wald, wenn plötzlich ein Reh auf die Fahrbahn springt und wie erstarrt im Scheinwerferlicht stehen bleibt, unfähig sich zu rühren. Kein Faser bewegt sich mehr in dem Körper, der dem Tod ins Auge sieht. Leon war kein Reh. Doch er hatte vermutlich mehr mit diesen scheuen Fluchttieren gemeinsam, als mit dem agressivsten Löwen.

Natürlich hatte Lilly die Narbe gesehen und das machte ihm Angst. Was würde sie sagen? Vor allem: Würde sie fragen? Oder würde sie es ignorieren? Er wusste nicht was schlimmer gewesen wäre, die Erinnerung an die alte Zeit, oder die Gewissheit, das man einfach so darüber hinweg sah, wie er es niemals können würde. In diesem Moment der innerlichen Aufruhr flackerte das scheue, flehende, angsterfüllte Beben in den bernsteinfarbenen Augen durch, die Lilly ansahen. Wartend auf eine Reaktion.
Diese fiel so aus, wie er es nicht erwartet hatte, denn offensichtlich war Lilly auf soetwas niemals gefasst gewesen - gut, wer war das schon in der heutigen Zeit? Die meisten Leute, die solcherlei Narben besaßen, waren entweder längst unter der Erde, oder alte Greise - verübeln konnte er es ihr also nicht. Sie verkreuzte ihre Finger mit seinen und zog seine Hand an ihre Lippen, wo jene die Nummer berührten. Ein leichtes Zucken ging durch seinen Arm, als er Wärme auf der vernarbten Haut spürte und noch immer schien Leon durch den Wind. Starr sahen seine Augen auf die Dunkelhaarige, die immer wieder flüsterte, dass es ok sei. Irgendwann dann schien wieder ein wenig Leben in ihn zurückzukehren.
"Was zur Hölle ist ok? DAS wird niemals ok sein."
Es war nur ein Flüstern, beinahe wie ein Hauchen und den Worten fehlte es auch an Schärfe, als das sie einschneidend hätten klingen können.

Zuvor hatte er die Küsse nur über sich ergehen lassen, doch langsam aber sicher begann er wieder sie zu erwidern. Zwar etwas zaghaft, aber er hatte sich durchaus von dem ersten Schreckmoment erholt, sodass er Lilly wieder vollkommen wahrnahm.
Zwischen ein paar Atemzügen, in denen ihre Lippen mal nicht auf seinen lagen, sah er sie nur stumm und musternd an. Der angstvolle Ausdruck in seinem Blick war zwar verschwunden, doch noch immer sah er irgendwie verstört aus. Vielleicht sollte er sich endlich einmal einen Ruck geben ...
Ein Seufzen ging durch seinen Körper, als er einmal kurz den Blick auf die Narben richtete, seine Hand drehte, aber Lillys weiterhin festhielt. Auch er sah diese Scheußlichkeit nicht allzu oft. Schließlich sah er wieder in ihre blauen Seen.
"Willst du es hören?"
Er machte keine näheren Ausführungen zu es doch es war wohl eindeutig was er damit meinte. Sein Geschichte. Das, was er hütete, wie seinen Augapfel, vielleicht war das der Moment in dem er es Lilly sagen konnte. Sie hatte lange warten müssen, ganze fünf Jahre, doch vielleicht wollte sie es jetzt ja gar nicht mehr wissen?! Hatte sich damit abgefunden, dass er war, wie er war ... Diese Ungewissheit machte ihn nicht verrückt.

{Rückblick | Angst | Narbe | Lilly | Frage }

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Lillian Adams
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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Sa Jun 22, 2013 9:16 am

Was ok war? Das musste er noch fragen? Es war ok, dass er es ihr niemals erzählt hatte. Es war ok, dass es ihm peinlich war. Es war ok, dass er es am Liebsten für immer versteckt hatte. Es war ok, dass es noch immer ein wunder Punkt war. Es war ok, dass sie es gesehen hatte. Es war ok, dass er Angst hatte. Es war einfach ok. Es würde nichts verändern. Es würde sie nur enger zusammenbringen. Es war nur ein Grund für sie, ein bisschen besser auf ihn aufzupassen. Es war ganz einfach ok.
Lilly konnte all das nicht in Worte fassen, konnte ihm nicht sagen, dass es für sie nur ein Grund mehr war, ihn zu lieben, auf die Art, von der sie sich sagte, dass sie es nicht tat. Sie konnte es nicht sagen, dass es ihn nur perfekter machte, nur auf seine eigene Art vollkommener. Sie konnte es einfach nicht. Deswegen hatte sie es gesagt, gesagt, dass es ok war. Und er verstand es nicht. Sie war sich sicher, dass er sie verstehen würde, wenn sein Gehirn nicht auf Selbstschutzmodus gestellt gewesen wäre. Aber gerade konnte er es nicht und sie sagte nichts, um das Missverständnis aufzuklären.
Sie blieb still, atmete einfach nur die gleiche Luft mit ihm, teilte Atem und Lippen für einige lange, stille Momente. Es war beruhigend, nicht nur für ihn. Er war immer noch hier, warm und weich unter ihren Fingern, ihrem Mund. Es war noch immer Leon, der gleiche Mann, mit dem sie vor so kurzer Zeit erst den besten Sex ihres Lebens gehabt hatte. Es war ihr Leon, das sagten ihr ihre Sinne. Als ob irgendwas in ihr daran gezweifelt hätte. Aber es beruhigte sie schon, dieses Wissen. Genauso, wie es sie beruhigte, dass er sich beruhigte.

Und schließlich und endlich seine Frage.
Diese eine, einfache, leise Frage.
Der größte Vertrauensbeweis, den sie jemals von irgendwem bekommen hatte. Geschweigedenn von ihm. Für eine Sekunde sah sie ihn einfach nur an, mild überrascht, aber eigentlich nur ruhig. Starrte in diese bernsteinfarbenen Seelenfenster, die gerade so offen, verletzlich dalagen. Sie wusste, dass er eine verdammte Angst haben musste. Sie konnte es nicht direkt sehen, aber sie kannte ihn. Sie kannte ihn so gut. Nach all den Jahren wusste sie, was er fühlte. Oder zumindest war sie sich ziemlich sicher, dass sie das tat.
Und jetzt, wo Lilly endlich die Chance hatte, alles herauszufinden, all die Geheimnisse des Leonardo Fabbri, war sie sich nicht sicher, ob sie das wirklich wollte. Sie war sich nicht sicher, ob sie eine Antwort auf all die Fragen haben wollte, die sie in ihrem Kopf gesammelt hatte über die Jahre hinweg. Seit sechs Jahren kannte sie ihn, und sie hatte viel gelernt, und doch wusste sie nicht. Und plötzlich war sie sich nicht sicher, ob sie das wirklich wollte. Würde es nicht alles verändern?
Obwohl, nein. Was sollte es schon verändern? Er war immer noch er, würde es immer sein, egal, wie viel sie wusste.

"Ich würde es gern hören, wenn du bereit bist.", sagte sie schließlich.
Sie lächelte sanft, ihre Augen weich, und fuhr noch einmal durch sein Haar, ehe sie sich wieder an seine Brust schmiegte, den Blick nach unten gerichtet. Sie würde zuhören, jedes einzelne Wort aufsaugen. Endlich würde sie all das erfahren, wonach sie so lang gesucht hatte. Es war verrückt, komplett verrückt, welche Drehungen und Wendungen dieser Tag für sie beide bereit hielt.
Nicht, dass sie sich beschwerte.
Es war fantastisch.


{ ok | LEONs Frage | Gedanken | Antwort }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Sa Jun 22, 2013 11:23 am

» KÖNNT' ICH EIN EINZIGES MAL NUR
IN MEINEM LEBEN DIR GEFALL'N «

... um dann ein einziges Mal nur in deine Arme zu fall'n...

Man sagte, dass Menschen, die Tiere schlecht behandeln, diese im Zweifelsfall brechen. Doch Menschen brachen auch andere Menschen, entrissen ihnen das, was ihnen etwas bedeutete und zogen sie aus ihrer bekannten Umgebung. Warum sie das taten? Nun, es waren Menschen.
Lange Zeit hatte es gedauert bis Lilly ihm erzählt hatte, wie ihre Mutter gestorben war. Bis dato hatte er nur gewusst, dass sie den Kampf gegen den Krebs verloren hatte, jedoch nicht wie viel davon Lilly mitbekommen hatte oder wie genau es in ihr aussah. Als sie es ihm schließlich irgendwann erzählt hatte war nur das stille Einverständnis zwischen ihnen gewesen. Er hatte sie im Arm gehalten und sie hatte erzählt was geschehen war. Eine Geschichte, die einem sechzehnjährigen Mädchen definitiv nicht wiederfahren sollte. Doch es war geschehen, so wie man ihn mit neun Jahren von zu Hause fortholte. Mitten in der Nacht. Damals war es gewesen, als hätte es ihr gut getan mit irgendjemandem über den Tod ihrer Mutter gesprochen zu haben, jemand der nun die ganze Geschichte kannte. Als sie gefragt hatte, wen er verloren hatte, dass er so einen Verlust so nachvollziehen konnte, hatte er nur geschwiegen und irgendwann das Thema gewechselt. Lilly hatte es hingenommen - wie so oft.
Vertrauen war gut, doch Kontrolle besser. Jahrelang hatte Leon das als seinen Leitsatz gehabt, nun war ihm einfach die Frage herausgerutscht, ob sie erfahren wollte, was ihm wiederfahren war. War das nicht ein Bruch mit dieser Regel? Doch er vertraute ihr und wusste nicht einmal mehr wieso. Schon damals war es so gewesen. Sie hatte niemals locker gelassen, sich immer n ihn dran gehängt, da hatte er machen können, was er wollte und irgendwann dann, hatte er nachgegeben und erkannt, dass Lilly mehr war, als nur eine nervige Mittelstüflerin. Ja, vielleicht hatte sein Unterbewusstsein genau deswegen seine Zunge schneller gesteuert, als sein Gehirn, das sonst alles bis ins kleinste Detail überdachte.

Lilly kuschelte sich an ihn, ihre Wange an seiner Brust. Leon sah auf die Kalifornierin hinab und er musste sich in diesem Moment eingstehen, dass sie auf ihn attraktiver wirkte, als er es für möglich gehalten hatte. Sie war kein Model, keine Schauspielerin, aber sie war eine kleine Schönheit.
Der Blonde hielt Lilly wieder im Arm, wie schon sechs Jahre zuvor, doch diesmal war er an der Reihe zu erzählen. Sie sagte, sie wollte es hören - wenn er bereit war. War er das? Das wusste er doch selbst nicht einmal mehr. Wann wusste man denn schon, ob man bereit war?
Trotzdem gab Leon sich einen Ruck, unter einem tiefen Atemzug hob sich sein Brustkorb einmal höher als üblich. Es war an der Zeit, dass sie es erfuhr.
"Es war im November. Die Nächte sind kälter geworden - auch in Rom. Es war keine sonderlich angenehme Zeit. Die meiste Zeit über waren die Menschen mit dem Zug oder der Bahn unterwegs, selten begab sich jemand zu Fuß vor die Tür.
Als sie bei uns Einzug gehalten haben, war es mitten in der Nacht, meine Mutter kam in mein Zimmer gestürzt und meinte ich solle mich anziehen und sofort aufstehen. Ich war neun, ein Neunjähriger versteht nicht, was dort vor sich geht. Also folgte ich ihr im Halbschlaf die Treppe nach unten, im Flur standen uniformierte Männer. Sie sahen irgendwie eigenartig aus, nicht wie gewöhnliche Polizisten oder so. Mein Vater war heftig mit ihnen am diskutieren und die Art wie sie miteinander sprachen jagte mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Inzwischen war auch meine Schwester war, damals war sie drei oder vier, sie stand bei meiner Mutter, als die Soldaten auf meinen Vater losgingen, mich am Kragen packten und hinaus in die Kälte zerrten. Sie sagten, es war an der Zeit für eine neue Ära."

Leon machte eine Pause. Seine Stimme war die ganze Zeit über monoton und noch schien es irgendwie nicht, als würde es ihn sonderlich anstrengen darüber zu reden. Aber vielleicht war das auch mehr Schein, als Sein.
"Sie steckten mich in einen Zug, dort traf ich meinen Großvater. Ich habe ihn gefragt, was hier vor sich gehe und er hat mir eine dieser Geschichten erzählt, die man einem Kind eben erzählt, wenn man ihm nicht sagen will, dass es in ein Arbeitslager gebracht wird, weil im Land die Politik Kopf steht, Kommunismus und Korruption freie Hand haben, Mussolini ein niederträchtige Pack Erbe hinterlassen hat und Nationalsozialisten niemals aussterben werden.
Wozu ich verdammt worden war, wurde mir erst drei elendige Wochen später klar.
Die Tür hat sich hinter uns geschlossen und es war eine wirklich makabere Art und Weise, wie sie uns hineinführten uns den Tagesablauf erklärten und dann in Gruppen einteilten. Wie Rinder, die man aussortiert. Zur Schlachtung oder den Milchbetrieb verurteilt. Die meiste Zeit über versuchte mein Großvater in meiner Nähe zu bleiben, natürlich aber holten sie ihn irgendwann fort, wiedergesehen habe ihn erst abends wieder. Zuvor haben sie mich noch getauft. 001459706. Ich hasse sie dafür! Zuerst spürst du kaum etwas von dem Schmerz, alles was du siehst ist nur glühendes Eisen und bevor du wirklich realisierst was vor sich geht, brennt sich auch schon das Eisen in deine Haut und du bist unfähig irgendwas zu denken. Willst einfach nur fort und merkst nicht, dass dir Stricke die Haut aufschneiden.
Es war kein würdiger Tagesablauf dort. Morgenappell, Durchzählen, Frühstück, Arbeiten bei Wind und Wetter. Abgemagert und erschöpft waren wir inzwischen alle. Doch aufgeben und kapitulieren wollte auch keiner. Die meisten waren Schwarze, Einwanderer, Zigeuner oder Homosexuelle, es waren nur einige wenige Römergeschlechter vertreten. Kinder mussten kürzer arbeiten als die erwachsenen, doch nicht minder schwer. Ich erinnere mich noch an Naja, die sich abends einfach an den Wegrand legte, einschlief und nie wieder aufwachte. Wir haben oft zusammen gesessen, geredet, uns Gesellschaft geleistet. Irgendwann nach einigen Monaten - inzwischen hatte ich das Prinzip begriffen, nach dem gespielt wurde, wusste was ich Tun und Lassen sollte und begann langsam irgendwie hinzunehmen, dass dauernd irgendjemand dem Tod erlag - war unterwegs um Erde für einen neuen Bachlauf zu holen. Anstatt den gewohnten und direkten Weg zurückzugehen, wollte ich eine Abkürzung nehmen. Doch das war ja nicht der vorgeschriebene Weg. Ein Wächter hat mich gesehen und ist mir natürlich sofort nach. Ich wusste nicht was ich tun sollte, würde ich rennen, würde er schießen, würde ich stehen bleiben, müsste ich die ganze Nacht durchmachen. Ich ging also einfach weiter und bevor er mich eingeholt hatte war mein Großvater bei mir. Keine Ahnung, wie er gewusst hatte, wo ich war. Er sagte ich solle gehen, er regele das, doch der Wächter hielt mich zurück, stellte mich zur Rede. Ich weiß nicht, was genau wir geredet haben - es waren unschöne Dinge, die er uns an den Kopf warf, in diesem Moment hatte ich einfach nur Todesangst. Schließlich meinte der Wächter, ich solle mich etwas abseits und mit dem Rücken zu ihm stellen, woraufhin mein Großvater ausrastete und mich zurückhielt. Er schrie, dass man soetwas nicht machen könne und stellte sich vor mich. Zwei weitere Wächter sind gekommen. Sie hielten mich fest, als der Wächter, der uns erwischt hatte sein Gewehr lud. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde, wie sich der Tod anfühlte, doch als der Schuss abgefeuert wurde, war nicht ich es den die Kugel traf. Vor meinen Augen sackte mein Großvater in die Knie und daran war nur ich Schuld..."

Zwei einsame Tränen rollten über die Wange des Blonden, der Verlust saß tief. Sein Großvater war für ihn wie ein Vater gewesen, denn der hatte sich selten richtig mit ihm beschäftigt. Es waren die Wochenende auf dem Hof seine Opas gewesen, die Leon das reiten und leben gelernt hatten. Und nun war dieser Opa tot.
"Er bekam nicht einmal mehr ein Grab. Wo sie ihn hingebracht haben, weiß ich nicht. Irgendwie will ich das auch gar nicht. Vielleicht ist es besser so.
Die Wächter brachten mich zurück. Sie waren immer erpicht darauf gewesen diesen aufmüpfigen, widerspenstigen Jungen Einhalt zu gebieten. Sie hatten es geschafft. Mein unbedingter Lebenswille war gebrochen und für die nächsten drei Monate wollte ich einfach nur noch sterben.
Was mich am Leben hielt weiß ich nicht. Es war zermürbend zu sehen, dass alle um mich herum allmählich wegstarben, selbst die Wachhunde, die von ihren Krankheiten zerfressen wurden - aber es gab ja neue Ladung. Nach dem Tod meine Großvaters lebte ich in einer Art Trance. Ich tat, was man von mir verlangte, ließ alles über mich ergehen, was ich niemals mitgemacht hätte, wäre ich imstande gewesen irgendetwas zu sagen. Aber meine Zunge war wie gelähmt und Worte war ich nicht fähig zu formulieren. Eine Zigeunerin holte mich zu ihnen in die Baracke rüber. Dort war es weniger einsam, aber eigentlich wollte ich auch keine Gesellschaft.
Im August dann haben sie das Lager befreit. Wir waren nicht einmal mehr die Häfte von denen, die angekommen waren. Und als sie mich von dort fortbrachten, verspürte ich grotesker Weise Sehnsucht nach dem Ort, an dem man mich knapp ein Jahr gefoltert hatte, an dem ich aber meinem Großvater das letzte Mal gegenüberstand.
Was nach folgte war eine lange Zeit der Depression und Theraphie. Ich weiß nicht zu vielen Psychatern sie mich geschleppt haben. Meine Eltern waren mir fremd und nur Flo wollte ich ab und an um mich haben. Bis ich Elisa getroffen habe. Sie war meine erste große Liebe und sie hat mir wieder ein wenig Lebensmut zurückgebracht. Also bin ich auf ihr Drängen hin ins Jockeygeschäft eingestiegen. Das Reiten habe ich früh gelernt, saß mit zwei zum ersten Mal auf dem Pferd. Mein Großvater war ein guter Lehrer.
Elisa und ich waren nicht lange glücklich, wir waren vielleicht ein Jahr zusammen, als sie die Diagnose bekam nicht mehr lange zu leben. Urteil: Krebs. Erzählt hat sie mir nichts, sie hat weiter gemacht wie immer, bis sie mich irgendwann aus dem Krankenhaus anrief und sagte ich solle zu ihr kommen. Natürlich kam ich, als auch sie die Augen schloss, lag sie in meinen Armen. Sie hat immer an mich geglaubt.
Um irgendwie damit fertig zu werden, stürzte ich mich noch mehr in den Rennsport, hatte einige Erfolge, an den Wochenenden hab ich mich dann auf irgendwelchen Feiern vergessen gemacht.
Pelvance Flip III jr. war zu dieser Zeit mein Siegerpferd. Er war unschlagbar, er überholte sowohl in der Kurve, als auch auf der Geraden. Wie das Leben so spielt blieb auch er mir nicht lange. Ich war 15, als er in der Kurve ausrutschte. Die Bahn war etwas feucht gewesen. Er musste an Ort und Stelle den Gnadenschuss bekommen, beide Vorderläufe waren gebrochen. Pel war mein Kumpel gewesen, ich hatte seit geraumer Zeit Stress mit meinen Eltern, er hat mich das vergessen lassen. Bei ihm war die Welt in Ordnung. Nach seinem Tod habe ich mir geschworen nie wieder zu reiten. Nie. Also wendete ich mich mehr dem Fußball zu, gespielt habe ich die Jahre über immer, doch ab dem Zeitpunkt wurde es intensiver. Die Zeit, die ich sonst im Stall verbracht habe, verbrachte ich nun auf dem Platz. Es wurde meine neue Heimat, mein Großvater war begeisterter Fußballfan gewesen, mit Leib und Seele dabei, er hatte mich immer unterstützt. Mein Vater auch - es war das einzigste, was wir gemeinsam hatten, wenn wir uns sonst nur stritten. Ich war ihm zu exzessiv, aufbrausend, stur. Er wollte, dass ich mich nicht dauernd bis zusoff, aufhörte die Freundin zu wechseln, wie meien unterhosen, weil sich das für einen anständigen Römer nicht gehört. A la wir sind treu bis an unser Lebensende und hören niemals auf zu lieben. - Es war mir die meiste Zeit egal. Keine Ahnung was ich in dieser Zeit alles einwarf - manchmal war es zuviel. Abhängig war ich aber immer nur vom Rauchen. Nunja, irgendwann reichte es meinem werten Herrn, er wollte, dass ich mich besserte. Als er seinen Job als Immobilienmakler in Rom verlor, sah er nur die Chance woanders hinzugehen. Also ordnete er an kurzerhand alles zusammenzupacken und für zwei Monate nach Australien zu gehen, um dannach nach Amerika aufzubrechen. Es war eine Höllennachricht. Rom war meine Heimat, nach allem was geschehen war, mehr denn je. Ich liebte diese ewiglaute Stadt, die Gassen, den Vatikan auf der anderen Seite des Tibers. Einfach alles. Und er riss mich ausgrechnet in dem Moment davon fort, als ich es am meisten brauchte. Ich habe ihm das niemals verziehen.
Nunja, den Rest kennst du. Damit ich nicht nochmal wiederhole, steckte er mich aufs Internat und damit ich die Flause aus dem Kopf kriege, dauernd nur Fußball zu spielen, am besten auf eins mit Pferden. Er nahm es mir sehr übel, als ich ihm dannach eröffnete, dass ich Fußballprofi werden würde. Es ist ein Wunder, dass er mich nicht verstoßen hat. Ich will nicht sagen, dass die Jahre es mir erleichterten zu Vergessen, denn das werde ich niemals. Aber ich denke jetzt nicht mehr ständig daran.
Ach und du wolltest wissen wofür das Tatoo mea maxima culpa steht. Meine allergrößte Schuld - es steht für all das."


{Scheu | Lilly | Erinnerung | erzählt das Erlebte}

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   So Jun 23, 2013 9:56 am

Lilly lag einfach nur da. Sie bewegte sich nicht. Ihr Arm lag schwer auf seinem Bauch, diesem perfekt geformten Bauch, und sie hielt ihn fest, so fest wie möglich. Ihre Finger malten Muster auf seine Haut, hinterließen Gänsehaut, ohne, dass einer von beiden es bemerkte. Sie beobachtete, was ihre Finger taten, beobachtete, wie gut ihr Hautton und seiner zusammenpassten. Beobachtete, wie die Muskeln unter der goldenen Haut spielten, seine Nervosität verrieten, seine Aufgewühltheit.
Und sie hörte zu.
Sie lag da, und sie hörte jedes seiner Worte, hörte ihnen ganz genau zu. Saugte sie in sich auf. Sie hatte sich immer gefragt, was für eine Person er war. Wieso er so war, wie er war. Was passiert war damals, was er vor ihr und vor jedem anderen in seinem Leben verbarg. Sie hatte so viele Fragen gehabt, sie war so eifrig gewesen, jegliche Information über ihn in sich aufzusaugen wie ein Schwamm, und ihn ganz genau kennen zu lernen. Sie hatte seine Geschichte wissen wollen, und er war ein verschlossenes Buch gewesen, ein Brief mit einem Siegel, das man nicht brechen konnte. Immer umhüllt von Ungesagtem, von Geheimnissen.
Und jetzt, wo Leon einmal begann, zu reden, schien er nicht mehr aufhören zu können. Und mit jedem seiner Worte wurden die Bilder, die sich in ihrem Kopf bildeten, bunter, realer. Sie konnte es sehen, vor ihrem Auge, als wäre sie dabei gewesen. Ein kleiner Junge mit wildem blondem Haar und Augen, die strahlten. Ein kleiner Junge, der gezwungen war, schnell erwachsen zu werden, abgestumpft und mager. Ein Junge, der bereits erwachsen war, viel zu schnell, allein und gebrochen. Ein junger Mann, der immer wieder alles verlor, was ihm am Herzen lag. 

Es brach Lillian das Herz. Sie hatte gewusst, dass Leons Leben nicht immer einfach gewesen war - sie konnte es in seinen Augen sehen, manchmal, wenn er sich öffnete, oder in der Art, wie er den Schmerz des Verlusts so einfach verstanden hatte. Sie hatte es in manchen seiner Bewegungen gesehen, wenn jemand eine falsche Bewegung gemacht hatte und er es nur aus dem Augenwinkel bemerkte. Sie hatte es gewusst, irgendwie. Sie hatte eine Ahnung gehabt.
Aber sie hätte sich niemals ausmalen können, wie schlimm es wirklich gewesen war. Sie wollte es sich nicht vorstellen. Leon hatte so viel Schmerz gesehen, so viel Verlust erlitten. Er war so zerstört, geschlagen und verloren. Die Schuld, die er auf sich geladen hatte, und all die Traumata, die er niemals hatte rauslassen können. Und plötzlich verstand sie, warum er so war, wie er war. Warum er sie immer auf Abstand gehalten hatte. Warum er immer so cool getan hatte. Er hatte sich einfach nur selbst beschützen wollen.
Sie verstand es nicht. Wie konnten Menschen einander so etwas antun? Wie konnte irgendjemand grausam genug sein, um einem Kind alles zu nehmen, was es hatte? Wie konnte man so etwas tun? Wie konnte man misshandeln, ausnutzen, töten, verletzen, für nichts und wieder nichts? Sie verstand es nicht, aber das machte sie nur noch wütender. Irgendjemand hatte ihren Leon zerstört. Hatte ihm wehgetan. Hatte ihn verdammt noch mal gebrandmarkt.
Ihren Leon.

Als er fertig war, lag die Stille schwer auf ihnen. Noch immer bewegte Lilly sich nicht, sie wagte es nicht. Sie ließ es wirken, für einige Sekunden. Fassungslos. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihm diesen Schmerz zu nehmen, ihm die Schuld zu nehmen und all das zurückzunehmen, sodass es niemals passieren würde, sodass er glücklich sein konnte ohne, dass die Schatten seiner verdammt dunklen Vergangenheit auf ihm lasteten.
Doch dann drehte sich die junge Frau, blickte ihm ins Gesicht. Dieses wunderschöne Gesicht, gezeichnet von den Tränen, von dem Schmerz, von der Schuld, die er jetzt plötzlich so offen zeigte. Und sie stand jetzt wirklich so kurz davor, selbst zu weinen wie ein kleines Mädchen, weil sie sich so sehr wünschte, sie könnte ihm irgendwie helfen. Aber sie konnte es nicht, dabei wollte sie doch nur helfen. Ihm seinen Schmerz nehmen. Sie wollte doch nur -
Langsam, vorsichtig, veränderte sie die Position, bis sie auf ihm saß, ihre Beine auf jeder Seite seiner Hüften. Sie blickte auf ihn herab, blickte in diese wunderschönen bernsteinfarbenen Augen, ein leichtes, weiches, trauriges Lächeln auf den Lippen, nur eine Spur, die eigenen Augen voller Tränen. Dann nahm sie sein Gesicht zwischen ihre Hände, wortlos, strich mit den Daumen seine Tränenspuren von der weichen Haut, bevor sie sich runter lehnte. Ihre Haare umschlossen sie beiden wie einen Vorhang, schlossen sie von der Außenwelt ab, als sie leicht ihre Lippen auf sein Gesicht drückte. Seine Stirn. Seine Wangenknochen. Seine Schläfen, dort, wo die Tränen langgeflossen waren. Sein Kiefer. Seine Nase. Sein Kinn.

Das L-Wort lag ihr auf der Zunge, doch es entkam ihr nicht, gut versteckt in den tiefen ihrer Seele, als sie endlich etwas sagte. Ihre Finger fuhren durch sein Haar, beruhigend, und sie blickte auf ihn herab, ihre Augen hielten seine fest mit allem, was sie hatte. Vermutlich konnte er es darin sehen, wie viel er ihr bedeutete. Wie sehr es sie schmerzte, ihn so zu sehen. Zu wissen, was er alles durchgemacht hatte, und ihm nicht damit helfen zu können.
Denn sie wusste einfach, dass nach all der Zeit die Wunden noch immer so offen und empfindlich waren.

"Es ist nicht deine Schuld. Es war sie niemals.", sagte sie leise, kaum hörbar. Es folgte eine kurze Pause, in der sie einfach nur guckte, ihn in sich aufnahm. Wie gern sie jetzt in ihn hineinsinken würde, um sich um seine geschundene Seele zu kümmern, bis es ihm wieder gut ging. Gott, sie war so verloren. "Ich würde sagen, dass es mir leid tut, aber das würde nichts ändern. Aber ich würde alles tun, um es zu können. Es ändern. Dir zumindest den Schmerz nehmen." Dann sagte sie es tatsächlich, das Gesicht in seiner Schulterbeuge vergrabend. Dort, in seine Haut, murmelte sie das L-Wort, so, dass keiner von beiden es verstand, bevor sie etwas lauter fortfuhr. Das Wichtigste wiederholte. "Es ist nicht deine Schuld."
Mehr konnte sie nicht sagen. Denn, wie es so Leons Angewohnheit war, ließ er sie immer sprachlos zurück.


{ kuscheln | LEONs Geschichte | überwältigt | Reaktion }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Di Jun 25, 2013 5:59 am

» TATOOED ON MY ARM IS A CHARM TO DISARM ALL THE HARM,
GOTTA KEEP MYSELF CALM BUT THE TRUTH IS YOU'RE GONE
AND I'LL NEVER GET TO SHOW YOU THESES GAMES,
GRANDDAD YOU SHOULD SEE THE TOURS THAT I'M ON
I SEE YOU STANDING THERE NEXT TO MOM ALWAYS SINGING ALONG; ARM IN ARM
BECAUSE THE MAN WASN'T GOOD HE WAS GREAT«

... I'm tryna make you proud; Do everything you did
I hope you're up there with God; Saying that's my kid ...



Angst. Eiskalt lief mir der Schweiß den Rücken runter. Er war da, direkt hinter mir. Würde er schießen? Jetzt? Warum zur Hölle schoss er nicht? War ich so schnell?
Auf einmal stand Mo vor mir. Für eine Sekunde war ich erleichtert, bis mir wieder einfiel, was mich verfolgte. Ich wollte das er floh, weglief, bloß fort von diesem Ort hier. Obwohl ich es selbst nicht verstand, was hier eigentlich vor sich ging, wusste ich, dass es hier um Leben und Tod ging und mein geliebter Großvater sollte nicht Letzterem verfallen. Noch nicht jetzt. Um keinen Preis der Welt. Ich brauchte ihn doch. Hier bei mir.
Der Wärter war da, ein unsympathischer Mann, wie eigentlich alle Uniformierten hier. Der Kopf kahl geschoren, die Nase groß und wenn man ihn ansah, fiel sie einem direkt ins Auge. Sein Bart war auf den einer Ziege gestutzt, sonst besaß er keine Haare. Das Gewehr schon schussbereit in der Hand, er keuchte. Das Laufen hatte ihn angestrengt. Eng drückte ich mich an Mo, er war meine Sicherheit und doch hatte ich jetzt so unglaubliche Angst. Ich hatte gelernt, Angst war Schwäche und Schwäche kam gleich der Verurteilung und dem Tod. Ich durfte keine Schwäche zeigen. Aber - zur Hölle - ich war verdammte neun Jahre alt!
Es tat so verdammt weh. Ich schrie, trat um mich, wollte mich losreißen, doch eisern hielten sie mich fest im Griff. Irgendwann bekamen sie meinen Kopf zu fassen, hielten mein Kinn hoch. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Ich sah den leidenden Ausdruck in den Augen meines Großvaters - er wusste was kommen würde, ich nicht. Sie wollten mich töten, hier und jetzt und Mo tat einfach nichts. War es vielleicht doch nicht so schlimm? Nein das konnte es nicht, ich war den falschen Weg gelaufen! Sie drückten mir bald noch das Blut ab, wenn sie weiter so an mir zerrten. Ich hatte solche Schmerzen, ihre Hände waren rau und grob. Schreien tat ich nicht mehr, der Wächter lud seine Waffe. Im selben Moment wo er abfeuerte, hielten sie mir den Kopf so, dass ich genau auf Mo sah. Ich konnte gar nicht anders, konnte nicht wegsehen. In diesem Moment trat ich nicht mehr, versuchte nicht mehr mich loszureißen. Mo war tot. Aus seiner Brust quoll Blut. Ich wollte zu ihm, konnte mich aber nicht bewegen. Tränen rannen mir über die Wange. Sie ließen mich los. An Ort und Stelle sackte ich zusammen, unter mir die spitzen Steine des Weges. Schmerzen hatte ich keine mehr. Mein Herz war soeben zweigeteilt worden.

Schweigend lagen sie da. Leons Finger hatten aufgehört Lilly über den Rücken zu streichen, wie sie es noch getan hatten, als er erzählt hatte. Wohl mehr um sich selbst zu beruhigen, als sie. Er lauschte seinem Herzschlag, der nun wieder raste. Mit ihm die Bilder, das Blut am Boden, das später seine Kleidung verkleben würde. Der tote Körper seine Großvaters, der reglos am Boden lag, das wissende Glitzern aus seinen Augen verblasst, das Lächeln wie aus dem Gesicht geprügelt. Und alles war seine Schuld. Es war als würde ihm jeden Moment die Luft wegbleiben, Leon verkrampfte mehr und mehr, seine Hand ballte sich zu einer Faust, sein Atem ging flach. Die Panik ergriff ihn so rasch, dass er es nicht mehr kontrollieren oder zurückdrängen konnte wie sonst immer. Warum nur hatte er ihr das erzählt?
Der Blonde raufte sich mit einer Hand die Haare, das Ganze nahm ihn zu sehr mit, es wäre wohl besser gewesen, hätte er Lilly nichts davon erzählt. Aber trotz allem war er sich so sicher wie nie zuvor, dass es das Richtige gewesen war. Dass sie es hatte erfahren müssen. Es war an der Zeit gewesen, dass er sich ihr anvertraute, so wie es damals bei ihr an der Zeit gewesen war.
Irgendwann dann ging eine Regung durch den Körper der Dunkelhaarigen. Hilfesuchend und flehend sahen die Bernsteinaugen sie an. Es war der stumme Hilfeschrei. Leon gab keine Geräusche von sich, wenn er litt, niemals. Er hatte auch nie wirklich geheult, dafür war er zu abgestumpft.

Würden die Narben wieder heilen? Vorsichtig berührte ich den Striemen an meiner Seite, der sich vom Bauchnabel bis hoch zur Achselhöhle zog. Der Schlag hatte seine Spuren hinterlassen. Wirklich weh tat es schon lange nicht mehr. Doch es war der Schock, der sich einfach nicht verringern wollte und die Angst, die mich fertig machte.
Morgenappell. Was hatte es noch einen Sinn? Mo war tot. Er war fort. Für immer. Ich quälte mich aus dem Bett, zu kurz waren die Nächte, zu lang die Tage, zu mager das essen. Mir war schwindlig und nur mit Mühe konnte ich mich auf den Beinen halten. Die Zigeunerfrau kam, sie wollte mich an die Hand nehmen mit nach draußen. Ich drehte mich weg. Mo hatte immer meine Hand gehalten, wenn wir uns den neuen Demütigungen stellten. Sie war nicht Mo. Dennoch lächelte sie mich an und ging nach draußen.
Ich konnte nicht mehr. Schon seit Tagen. Die Hunde hatten Würmer, in der Baracke neben uns war eine Seuche ausgebrochen. Heute wurden die Menschen nach draußen geholt, man versprach ihnen sie würden ein wohltuendes Bad nehmen. Mo hatte immer gelacht, wenn die Wächter soetwas gesagt hatten. Als ob es hier Erholung geben würde! Ich sah diese Menschen nie wieder. Sie waren welche von uns.

Die beschützende Wärme wich von seiner Seite und erneut flackerte Panik in Leons Blick auf. Doch Lilly ließ ihn nicht allein, sie setzte sich auf und hüllte sie ein in einen Vorhang aus Haaren. Er spürte, wie sie ihre Lippen auf seine drückte, doch er konnte den Kuss nicht erwiedern - in seinem Mund lag der metallische Geschmack von Blut.
Sie sagte lange nichts, ihre Augen waren so voller Mitgefühl und Besorgnis, ebenso mit Tränen gefüllt, die in seinen schon längst wieder abgeflaut waren. Auch das hatte man ihm eingetrichtert. Niemals weinen. Und schon gar nicht lange. Noch immer war er verkrampft, doch sein Atem ging wieder einigermaßen normal.
Obwohl er sich in einer Art Zwischenwelt befand, nahm er Lillys Anteilnahme war. Da war der traurige Ausdruck in ihrem Gesicht, der unbedingte Wille ihm zu helfen, was ja unmöglich war. Und das Verlangen ihn vor dem Rest der Welt zu beschützen. Es führte ihm vor Augen warum er es nie jemandem erzählt hatte. Sie alle hätten ihn so angesehen - und das konnte er nicht ertragen. Er wollte kein Mitleid, man konnte das Geschehene nicht rückgängig machen, er wollte nicht, dass sie ihn mochten, weil sie ihn bemitleideten. Lillys Aufgewühltheit zerfraß ihn noch. Er hätte es ihr wirklich nie erzählen sollen.

Der Winter war gegangen. Er hatte viel Opfer gefordert. Zu viele. Ich saß am Straßenrand, starrte nur stumm vor mich hin. Irgendwann kam ein Wächter, stieß mich hoch. Ich war müde, ausgelaugt und erschöpft. Er brachte mich zum Bau, ein Arbeiter war soeben verunglückt.
Abends wartete ich. Auf den Tod. Wann würde er kommen? Und wie fühlte er sich an? Das Zigeunermädchen neben mir schlief seelenruhig, ich spürte, wie sie sich im Schlaf an mich drückte. Ich sah sie an, sie hatte rotes Haar, wie sie hieß hatte ich vergessen, doch die Art und Weise wie sie dort neben mir lag im stillen Einverständnis mit sich selbst, erinnerte sie mich an meine Schwester. Eine riesige Schwelle des Heimwehs überkam mich, ich sah aus dem Fenster über unserem Bett, sah den Mond an und fragte mich, was Flo jetzt machte. Glaubte sie noch daran, dass ich lebte? Wieder sah ich auf das Mädchen neben mir, sie lächelte sanft. Ich legte meine Wange an ihre Haare. Morgen würde uns der alte Tagesablauf wieder zur Entkräftung treiben. Aber noch war es nicht vorbei.

Als Lilly ihm die Tränen von der Wange strich, zuckte Leon kurz zur Seite, als sich ihre Hände seinem Gesicht näherten. Bis begriff, dass wirklich nur sie es war und alle anderen Bilder seinen Gedanken entsprangen. Er sah ihr Bedauern, aber das machte es auch nicht besser. Verdammtes Mitleid!
Noch immer rührte Leon sich nicht, doch ab und an flackerte sein Blick, der noch immer gezeichnet und ein wenig panisch war. Er hatte sich selbst noch nicht wieder vollkommen unter Kontrolle, vermutete hinter jeder nächsten Bewegung eine falsche, obwohl ihm sein Verstand dauernd sagte, dass es nur Lilly war. Seine Lilly. Die ihn nahm wie er war. In ihrem Blick lag so bedingungslose Zuwendung, wie er sie selten gesehen hatte. Und da durchfuhr es den 23-Jährigen. Das letzte Mal, als eine Frau ins so angesehen hatte, war es Elisa gewesen - und die hatte ihn inbrünstig geliebt.
Sie lag auf ihm, das Gesicht in seine Schulterbeuge gekuschelt und dort flüsterte sie irgendetwas. Er verstand sie nicht wirklich, zu sehr verschwammen noch Gegenwart und Erinnerung miteinander.
"Du weißt, dass das nicht geht." Es war die erste Reaktion, die er auf ihre Worte zeigte, nachdem sie gesagt hatte, sie wolle ihm den Schmerz nehmen. Jetzt strich auch seine Hand ihr behutsam über den Kopf. Leon schien wieder zu sich zu kommen. Er lehnte seine Wange an ihr Haar, was sollte passieren? Sie waren hier. Alleine. Alles war gut.
Doch wie so oft, vermochte der minimalste Fehler im Verhalten Leon so dermaßen aufzuschrecken, wie man es sich nicht einmal mehr vorstellen konnte. Lilly meinte es sei nicht seine Schuld. Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, fuhr Leon hoch, packte sie an den Schultern, vielleicht ein wenig zu fest, doch das merkte er nicht. Aufgebracht funkelten seine Löwenaugen sie an - sauer? Erschrocken? Noch immer panisch? Aufgewühlt? Es lag so vieles darin.
"Nicht meine Schuld?? Niemals?? Was weißt du schon Lilly! Wäre ich nicht so dumm und naiv gewesen und hätte einfach einen anderen Weg eingeschlagen, würde Mo vielleicht heute noch leben! Er war soviel mehr ein Vater, als meiner es jemals sein wird. Mo war ich nie egal. Nie. Er gestorben, wie ein Held ja. Aber er hätte nicht sterben müssen, hätte ich mich gestellt!"
Oftmals hatte seine Oma mit ihm gesprochen. Sie hatte ihm erzählt, Mo habe oft davon gesprochen, dass er das Gefühl habe Gott habe mit ihrem Enkel noch etwas vollkommen Abstraktes und Unglaubliches vor. Er sollte Recht behalten. Leon hatte überlebt, woran andere spätestens an den Nachwirkungen zugrunde gegangen wären. Er war irgendwie mit den Depressionen fertig geworden und hatte sich irgendwie mit dem Trauma arrangiert. Schließlich war er ein Vertrater der italienischen Nation geworden, er machte sie stolz, er war der Zauberer, der Ballkünstler geworden - und Mo hatte all dies schon vor Jahren geahnt.

Kurz nachdem Leon Lilly so angefahren hatte, hätte er sich dafür ohrfeigen können. Verdammt, sie wollte doch nur irgendwie bei ihm sein, ihm irgendwie helfen, obwohl es nicht ging und sie auch nicht wusste, wie das anstellen sollte. Aber Lilly hätte niemals eine böse Absicht was ihn anbelangte. Schuldbewusst senkte Leon den Blick, sie saß auf seinem Schoß, den Griff an ihren Oberarmen hatte er schon längst gelockert - was hatte er nur angerichtet. Als er wieder aufsah, zog er sie nur stumm an sich, nahm sie in den Arm, sein Kinn auf ihrer Schulter drapiert.
"Es tut mir Leid. Ich weiß auch nicht, ich ... es frisst mich auf Lilly. Irgendwann bin ich fort."
Diese Entschuldigung hörte sich so ehrlich an. Einst hatte ihn das Zigeunermädchen wieder daran erinnert, dass es sich zu kämpfen lohnte. Anschließend war es seine Schwester gewesen, dannach Elisa, Pelvance und dann - Einschnitt. Als er dachte es gehe nicht mehr weiter fingen ihn seine Freunde auf, gingen mit ihm aufs Internat. Ein schwarzhaariges Emomädchen lief ihm über den Weg. Sie hatte viel erlebt, machte weiter. Er bewunderte sie nicht, aber sie gab ihm Zuversicht - dass es dort irgendwo vielleicht doch noch eine Chance für ihn gab wieder anzufangen zu leben. Der Fußball gab ihm eine Heimat. Das Mädchen hatte er geopfert. Ein Fehler.
Inzwischen lebte er wieder. Ab und an. Die meiste Zeit. Momentan wusste er nicht was er tun sollte - das passierte ihm eigentlich nie. Aufgefangen hatte er sich meist selbst wieder, auf seine Eltern war kein Verlass gewesen. Das Mädchen war nun eine Frau geworden. Sie war bildhübsch und sie gab ihm Zuversicht. Es wurde Zeit sie festzuhalten und Danke zu sagen. Nach allem was geschehen war - sie durfte er nicht verlieren. Aber hatte er sich da snicht bei jedem neuen Anlauf vorgenommen?
Der kleine Junge war schon lange erwachsen geworden. Die Narben zogen sich über seinen Körper. Ob sie verheilen würde - wer wusste das schon. Die Zigeunerfrau stand neben ihm, er nahm ihre Hand und kehrte der Baracke den Rücken zu. Das rothaarige Mädchen war tot. Sein Großvater auch. Er sah noch einmal zurück, Tränen rannen über seine Wangen. Es war vorbei. Alles. Für immer.



{Erinnerungen | Schweigen | in einer Art Trance | Lilly | aufgelöst | Reue}
out: ich bin so stolz auf mich: 2109 Wörter ;D

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Fr Jun 28, 2013 9:35 pm

Lilly erinnerte sich noch an früher, als sei es gestern gewesen, obwohl sie mansche Szenen so oft in ihrem Kopf wiedergegeben hatte, dass ie nicht mehr sagen konnte, wie oft. Sie waren verschwommen, ja, aber die wichtigen Details verschwamen nie, egal, wie oft sie sich erinnerte. Sie erinnerte sich an den Jungen mit den kalten Augen, den sie immer nur hatte zum Lächeln bringen wollen, zum Strahlen. Sie hatte ihn glücklich machen wollen, hätte alles dafür getan. Sie hatte manchmal das Gefühl gehabt, sie machte tatsächlich Fortschritte, wenn Leon dann mal anfing, sich ganz normal zu verhalten - was ja für ihn nicht gerade die Norm war. Und dann war ein Moment gekommen, wenn seine perfekte Maske verrutscht war, dass sie einen Vorgeschmack bekommen hatte. Dann hatte sie kleine Schnipsel des Kampfes gesehen, den Leon focht, den er früher oder später verlieren würde. Sie hatte Schmerz gesehen, solchen endlosen Schmerz.
Sie hatte ihn damals schon beschützen wollen. Und jetzt, wo sie alles wusste, änderte das auch nichts daran; sie wollte es immer noch, wenn nicht sogar noch mehr.. Vermutlich hatte er sich Sorgen gemacht, wie die Leute reagierten. Er mochte kein Mitleid, verachtete diese, die danach suchen. Sie konnte sich vorstellen, dass es sich veränderte, wie Menschen mit ihm umgingen, wenn sie das herausfanden, was er ihr gerade erzählt hatte. Und Leon wollte nicht anders behandelt werden. Ihm war sein Image immer wichtig gewesen, wrüde es niemals unwichtig werden. Und deswegen versteckte er alles. Vielleicht teilweise. Aber vermutlich war da noch ein größerer Teil, der einfach Angst hatte, und der sich selbst beschützen wollte.

Lilly hatte Angst, als Leon sie so packte, sie so anfunkelte, mit all diesen .. diesen zerstörerischen, grausamen Emotionen. Sie hatte nicht Angst um sich, dass er sie verletzen könnte - das tat er nicht. Leon konnte sie nicht verletzen. Das wusste sie. Nein, sie hatte nicht um sich selbst. Sie hatte Angst um Leon in diesem Moment, weil er so verloren war, unreparierbar zerstört. Es würde ihn auffressen und sie würde ihn verlieren und all das jagte ihr einfach eine Heidenangst ein.
Gut, vielleicht hatte sie das Falsche gesagt. Wenn jemand Schuldgefühle hatte, besonders so schlimme, wie er sie hatte, dann durfte man nicht sagen, dass es nicht ihre Schuld war. Das war selbstzerstörerisch. Sie würden sofort defensiv darüber werden, abblocken, sie würden sich aufregen. Genauso war es auch bei Leon. Sie machte ihm keine Vorwürfe. Sie verstand es ja selbst nur zu gut. Hatte sie sich selbst nicht genauso verhalten, als ihre Mutter gestorben war und sie sich die Schuld daran gegeben hatte?
Deswegen sagt sie nichts weiter, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen, auch wenn ihr Blick es alles sagte. Sie war nie gut darin gewesen, die Gefühle aus ihren Augen zu verbannen. Deswegen konnte er gerade alles sehen - die Tatsache, dass sie ihm gegenüber noch immer das gleiche fühlte wie schon Jahre zuvor, die Tatsache, dass sie sich Sorgen um ihn machte wie um niemand anderen, die Tatsache, dass sie ihm nicht die Schuld gab und dass sie wusste, dass es nicht seine war, ohne dabei gewesen zu sein. Er konnte all das sehen, was sie niemals wirklich in Worte fassen konnte.
Das war doch immer schon so gewesen: Blicke, geteilt zwischen zwei Menschen, die sich so gut kannten wie sie und er, konnten so viel mehr sagen, als sie in Worte fassen konnten, sie waren so viel signifikanter und ausdrucksstärker, als Worte es jemals sein konnten. Es gab tatsächlich Personen, die sich wunderten, wieso Leon und Lilly manchmal so wenig redeten. Sie verstanden nicht, dass es hierbei um ein Band ging, das so viel tiefer ging, als selbst die beiden es verstanden, das es ihnen möglich machte, jede kleine Regung des anderen zu verstehen und sich so zu verständigen.

Schließlich zog Leon Lilly wieder an sich, umarmte sie, hielt sich an ihr fest. Sie atmete tief und schloss die Augen, vergrub die Nase in seinem Haar, drückte sie an die Stelle hinter seinem Ohr. Sie sagte nichts, für eine Weile, hielt ihn einfach nur fest, ganz fest an sich gedrückt. Die Worte, die ihn verließen, diese Entschuldigung, sie brachen ihr ebenso das Herz, wie sie ihr eine Heidenangst einjagten. Leon war die einzige Konstante in ihrem Leben, die ihr geblieben war, ob er wirklich da gewesen war oder nur in ihrem Kopf. Er war ihr immer auf die eine oder andere Art geblieben. Sie brauchte ihn. Sie durfte ihn nicht verlieren.
Sie konnte nicht zulassen, dass das passierte. Dann würde sie sich selbst auch verlieren. Das war es doch, was Liebe bedeutete. Nicht ohne den Anderen leben können. So ging es ihr mit Leon. So war es immer schon gewesen. Und jetzt war sie hier, jetzt hatte sie ihn, und es war so perfekt gewesen, und jetzt durfte sie feststellen, dass das, was sie am meisten liebte, für am feststehendsten gehalten hatte, am fragilsten, zerbrechlichsten war.
Das jagte ihr auch eine Heidenangst ein.

"Das wird nicht passieren", flüsterte sie, kaum hörbar. "Ich lass dich nicht gehen. Ich pass auf dich auf."

Und das würde sie. Mit allem, was sie hatte.

{ Erinnerungen | LEONs Ausbruch | Angst | Umarmung | Angst | Versprechen }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Sa Jun 29, 2013 10:20 am

» I'M A SOLDIER WOUNDED SO I MUST GIVE UP THE FIGHT
AND THERE'S NOT A ROAD I KNOW THAT LEADS TO ANYWHERE
WITHOUT A LIGHT FEAR THAT I WILL STUMBLE IN THE DARK«

... but I'm a soldier - fighting in a battle - to be free once more ...


Schweigend und fix und fertig mit der Welt verharrte Leonardo auf Lillys Schulter. Es war die Nähe, die ihm in diesem Moment etwas Zuversicht gab. Einen Funken. Die vorhergegangenen Minuten hatten seinen Kämpfer- und Siegergeist beinahe vollkommen erstickt und den erdrückenden, depressiven Gefühlen Platz gemacht. Immer wieder drückte sich Leons Brust fest an Lillys, wenn er tiefer Luft holte, es wirkte ein wenig, als würde ihm nicht mehr genug zum Atmen bleiben. Doch er löste die enge Umarmung nicht auf, dafür war er noch nicht bereit. Mühevoll zwang er sich dazu in seinem Kopf wieder Ordnung zu schaffen, die Erinnerungen waren auf einmal so real gewesen, dass er sich in die alte zurückversetzt gefühlt hatte. Ab und an konnte Lilly es spüren, wenn sich Leons Kiefer verkrampfte, weil er die Zähne aufeinanderbiss und hin und wieder ein unangenehmes knirschendes Geräusch entstand.
Dass sie nichts weiter tat, als da zu sein, bedeutete ihm mehr, als sie es sich vermutlich vorstellen konnte. Er brauchte keine Worte, wollte niemanden mit dem er über Depressionen und sowas sprechen konnte, vielleicht hätte er ihr noch das ein oder andere erzählt, wenn sie gefragt hätte, aber offensichtlich war für Lilly in diesem Moment auch erstmal genug. Reden müssen hatte er oft darüber mit wildfremden Menschen, die ihm 'helfen' wollten. Niemals hatte er sie an sich herangelassen - sie hatten keine Ahnung gehabt. In dieser Welt gab es viel Heuchlerei, falsche Werte und vorgegaukelte Gefühle, die nicht existent war. Die Personen in seiner Umgebung hatte er immer eingiebig studiert, um dann die passenden Reaktionen auf ihr Verhalten zu kreiiren. Ja, er war jahrelang nicht er selbst gewesen, nur eine Marionette, die sich selbst steuerte, um unnötigen Fragen und Gesprächen zu entgehen. Es war allerdings nur eine Weile gut gegangen. Bis sein Temperament und Verstand begann mit ihm durchzugehen, ja Lehrer und Eltern hatten es nicht leicht mit ihm gehabt, doch mal ehrlich: Verstehen wollen hatte ihn auch niemand. Den meisten war das doch viel zu zeitintensiv gewesen. Nur einer nicht. Lilly.
Dafür bewunderte er sie vielleicht. Für ihre verdammte Hartnäckigkeit, schließlich wären sie sich damals nie so nahe gekommen, wenn Lilly nicht dauernd gequängelt hätte. Oftmals hatte er es verflucht, dass sie ihn einfach nicht in Frieden ließ, oftmals waren sie deswegen aneinander geraten. Doch abschrecken lassen hatte sich das kleine Emogirl nie. Und das war auch gut so gewesen. Sie war ihm soetwas wie ein Zugfluchtsort geworden, jemand, dem er nicht egal war, dem er vertrauen konnte.

Wie oft schon war er in seinen jungen Jahren gefragt worden, ob er Interesse an einer Biografie hätte? Leon hatte irgendwann aufgehört zu zählen, alle Angebote hatte er abgelehnt. Er hätte viel damit verdienen können, aber es war seine Geschichte und die ging niemanden etwas an. Es musste nicht die ganze Welt davon erfahren, was er erlebt hatte, er musste sich nicht allen möglichen, nervtötenden Fragen stellen und die Menschen dort draußen brauchten kein detaillierteres Bild von ihm, als sie jetzt hatten. Er polarisierte die Gesellschaft mit seiner Art, so wie er war. Spielerische Perfektion, gepaart mit Eleganz, Hochmut, Sarkasmus, anstößigen Kommentaren, die immer für Gesprächsstoff sorgten und so manch einer Zeitung eine schöne Schlagzeile einbrachten, vereint in einem Körper, der heiß, anziehend und sexy zugleich war. Entweder man mochte ihn oder nicht, etwas dazwischen gab es wohl nicht.
Das war so gewesen, seitdem der Römer auf der Bildfläche erschienen war und es hatte ihm niemals etwas ausgemacht der Bad Boy, der Arrogante oder der Eitle zu sein, wenn das Gesamtpaket stimmte. Und das hatte es immer.
Was Lilly genau über ihn dachte wusste er bis heute nicht. Vielleicht hielt sie ihn insgeheim auch für ein Arschloch, vielleicht wollte sie sich hiermit nur rächen, weil er sich nicht gemeldet hatte, vielleicht wollte sie ihn nun fallen lassen, wo er so verletzlich ihr gegenüber war, wie er es damals mit ihr getan hatte. Aber ihr Blick mit dem sie ihn ansah, sagte genau das Gegenteil. Für eine Weile sah Leon einfach nur in die blauen Seelenspiegel, die ihn immer an das Meer Italiens erinnerten, an warme Sommernächte und daran, wie es war glücklich zu sein. In diesen Seelenspiegeln konnte er nun mehr lesen, als er sich wohl erträumen hätte können. Er verstand sie - ihre ehrliche, aufrichtige Liebe, der er sich davor gar nicht so bewusst gewesen war, ihr Schmerz, der sein eigener war, dass sie noch immer alle Schuld von ihm wies, was ihn mit einer schützenden Wärme erfüllte und ihr bedingungsloses Vertrauen in ihn, das er nur erwidern konnte. Dann vergrub sie ihre Nase in seinem Haar und der Blonde merkte, wie auch sie tief ein und ausatmete.

Sie hielten sich fest und die Minuten verstrichen. Obwohl sie beide so wortgewandte Menschen waren, brauchten sie manchmal einfach nicht mehr als ihr stilles Einverständnis. Es gab nichts weiter zusagen, sie wusste was er fühlte und er wusste, wie sie empfand. Das war schon früher so gewesen. An Liebe auf den ersten Blick glaubte Leon nicht, aber er glaubte an die eine, die ewige Liebe. Die Liebe, in der man(n) treu war, bis ans bittere Ende. War diese Liebe, jene eine?
Als Lilly meinte sie passe auf ihn auf, musste er lächeln. Es war vielleicht ein trauriges Lächeln, aber es erreichte seine Augen. In diesen loderte leicht wieder ein altebekanntes Feuer auf, während er sich etwas zurückzog, um ihr ins Gesicht zu sehen, er nahm sie in sich auf, jeden noch so kleinen Zentimeter, obwohl er sie doch schon in und auswendig kannte.
"Das hoffe ich. Denn ich kann nicht einmal mehr den Gedanken ertragen, dich einmal mehr ziehen zu lassen ..."
Nein, Leonardo Fabbri sagte nicht diese drei Worte, die eine Frau hören wollte. Er sprach sie nicht aus, weil er es früher zu oft getan hatte und weil er auch im Allgemeinen fand, dass sie viel zu oft benutzt wurden. Aber er fand seinen Weg drum herum, um vielleicht auszudrücken, was jemand ihm bedeutete. Er war ein Macho, ja, einer der nicht so gut mit Gefühlen und so konnte, schon gar nicht mit seinen eigenen, aber Leons Lächeln konnte in diesem Augenblick alles vorhergegangene vergessen machen. Es stand ihm gut dieses Lächeln, man hatte es selten so gesehen, er saß einfach nur so da, den Blick auf Lilly geheftet, die Worte standen zwischen ihnen, seine Hände lagen auf ihren Hüften.
Wann wusste man schon, ob es die echte Liebe war? oO(Wenn es einem schon der Gedanke, sie zu verlieren, das Herz zerreißt.)Oo Dieser Gedanke war absolut scheußlich.

"Ich bin nicht gut darin mich zu entschuldigen, oder gracie zu sagen, aber ich glaube, dass bin ich dir schuldig, hm? Also: Danke für alles, Lil. Und hey, wir geben nicht auf - das lohnt sich nämlich nicht und ich glaube man verpasst etwas, wenn man aufgibt."
Das Lächeln blieb. Übersetzt bedeutet Leon stark wie ein Löwe. Der Römer hatte diesen Vergleich immer gehasst. Vielleicht wurde er selbst nicht gerne analysiert ...

{Schweigen | Gedanken | Liebe | Lilly}

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   So Jul 21, 2013 9:49 am

Ich liebe dich.
Es waren einst die einflussreichsten Worte der menschlichen Sprache gewesen. Worte von Bedeutung, Worte, die etwas zu sagen hatten. Worte, die Welten veränderten und den Tod verschmähten. Ich liebe dich hieß mal für immer und ewig, hieß mal, dass man den anderen Menschen nie mehr gehen lassen würde. Ich liebe dich hieß Treue und Zusammenhalt, Familie, Geborgenheit.
Und dann verstand die Rasse der Menschheit die Macht, die hinter diesen drei Wörtern steckte. Und die Sache mit Menschen war, dass sie Macht gern hatten, gern ausbauten, gern ausnutzten. Macht war ihr allerliebstes Werkzeug, und je mehr man hatte, desto besser war man. Und wie viel man mit einem geschickt platzierten Ich liebe dich verändern konnte, bewirken konnte ... das Problem bei Menschen war auch, dass sie ihre Macht selten für das Gute einsetzten.
So kam es, dass die Worte Ich liebe dich ihre Wahrheit verloren. Sie waren nur noch ein Machtwerkzeug, etwas, das man benutzte, wenn man es brauchte, auch, wenn man es nicht meinte. Die Wichtigkeit des Ausdrucks der Liebe ging verloren, und heute benutzten die Menschen es einfach nur noch, wenn es in ihre Kommunikation passte. Die Liebe hatte ihre Wichtigkeit verloren und das Ich liebe dich seine Wirkung. Es war schrecklich und traurig und irgendwie voraussehbar gewesen.

Diese Entwicklung war der Grund gewesen, warum sich Lilly dazu entschlossen hatte, diese drei Worte nicht zu sagen. Sie wusste, sie würde sie ehrlich meinen. Ihr Herz war erfüllt davon, erfüllt von dieser Liebe, die sie zu Leon schon seit einer langen Zeit hegte. Sie wusste, dass es bei ihr keine Lüge sein würde und kein Machtspiel. Aber es einfach nur so zu sagen, schien zu einfach und zu banal für diesen Mann, der sich gerade an ihr festhielt, als wäre es jetzt ihre Aufgabe, ihn zum Leben zu bringen. Es war nicht genug, um ihm deutlich zu machen, dass sie all das fühlte, was früher mal gewesen, aber heute verloren war.
Und sie wusste, dass Leon es wusste. Sie wusste, dass er sich bewusst war, was die Menschheit mit der Liebe angerichtet hatte. Er war Italiener, Römer, er kannte sich mit dieser Sache nur zu gut aus. War er es nicht sogar, der es ihr mal gesagt hatte? Lilly, die Liebe ist nur noch ein Spielzeug ohne Bedeutung. Ja, vielleicht. Aber das war nicht alles, was er wusste. Sie war sich sicher, dass er wusste, was hinter dem Ich lass dich nicht gehen und hinter dem Ich pass auf dich auf steckte. Er konnte es in ihren Augen lesen und in der Art, wie sie sich an ihn drückte, in ihm Ruhe und Trost fand und ihm gleichzeitig genau das gleiche fand. Sie verstanden einander auf einer Ebene, wo diese bescheuerten drei kleinen Worte nicht mehr vonnöten waren.

Als der Mann antwortete, hätte Lilly ihn am Liebsten sofort wieder geküsst. Er sah so .. so perfekt aus in diesem Moment. Also gut, eigentlich sah Leon immer irgendwie perfekt aus. Er hatte immer die richtigen Klamotten an, sein Haar saß, sein Gesicht passte, und von seinen Bewegungen brauchte sie ja gar nicht erst anfangen. Aber in diesem Moment war er nicht die Modepuppe, die er für die Öffentlichkeit von ihm entworfen hatte. In diesem Moment war er er selbst, einfach nur Leonardo Fabbri, ein junger Mann mit tiefen Wunden, die einfach nicht verheilen wollten, der aber trotzdem weitermachte, weil sie auch nach all der Zeit seinen Lebenswillen nicht hatten brechen können.
Und dieser Anblick, der war perfekter als alles, was Lillian je von ihm hatte sehen dürfen.
Aber das hier, das war ihr Moment, der gehörte nur ihnen, und das wollte sie nicht kaputt machen. Sie hatten die perfekte Nähe, konnten sich in die Augen sehen, ohne den physikalischen Kontakt zu brechen. Die Schwarzhaarige war noch immer an ihn geschmiegt, und Leon hielt sie noch immer fest in seinen Armen, und dennoch versanken sie gegenseitig in ihren Augen, Augen von Blau und Bernstein, Augen, die mehr sagten, als tausend (oder auch drei) Worte es vermochten.
So absurd, wie es klang, aber ein Kuss hätte das nur zerstört.

Deswegen lächelte Lilly einfach nur, sanft und leicht und ehrlich, ihre Finger noch immer in seinem Haar, leicht hindurchfahrend, damit spielend. Er redete mehr, gab mehr von sich preis, und er sprach von Liebe, ohne von Liebe zu sprechen. Ihr Lächeln wurde eine Spur breiter. Lilly hätte niemals gedacht, dass sie noch mehr Liebe für Leon empfinden konnte, aber in diesem Moment wuchs sie noch mal um das Doppelte.
Leon sagte viel, wenn der Tag lang war.
Aber er sagte niemals danke.

"Du bist mir nichts schuldig", flüsterte sie, und ihre eigenen Ohren hatten Probleme damit, das Geräusch aufzufangen. "Du bist es wert. Du wirst es immer wert sein. Immer."

Sie klang gerade wie direkt aus einer Seifenoper entsprungen. Aber war ihre Geschichte das nicht? Waren Lilly und Leon nicht das perfekte Seifenopernpärchen? Das waren sie tatsächlich, mit all ihrem Streit und all ihren Versöhnungen und all dieser Liebe und diesem Schicksal und ja, irgendwie passten sie total ins Cliché, ohne Cliché zu sein. Also konnte Lilly auch so etwas sagen, leise, ernst und doch so ehrlich. Und es war auch überhaupt nicht falsch, einfach mal ihre Stirn an seine zu legen, die Augen zu schließen, und die gleiche Luft zu atmen wie er.
Denn das waren einfach sie.


{ Die Geschichte des Ich Liebe Dich | LEON's Liebe | LEON's Worte | Antwort }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Fr Jul 26, 2013 8:53 am

» FÜR KEIN WISSEN FÜR KEIN GELD
FÜR KEINEN SCHATZ GEB' ICH DIE FREIHEIT
GEB' ICH MEIN' PLATZ AM HIMMELSZELT «

... vielleicht frägst du dich, manchmal weswegen ich so oft allein am Fenster steh...

Bedingungsloses Vertrauen. Wann fühlte man das schon? Bei den Eltern. Vermutlich. Wahrscheinlich auch bei seinen Geschwistern und dem besten Kumpels. Aber dann hörte es doch auch schon auf oder?
Es war so, dass Leon seinen Eltern seit Jahren nicht mehr blind vertraute, dafür aber seiner Schwester umso mehr. Zusammen mit Bella war Flo wohl die einzigste weibliche Person, die der Römer so behutsam auf Händen trug, wie er es bei diesen beiden tat. Seine Kumpels, oder besser ihre Clique, war standhaft. Sie hatte sich nicht aufgegeben, in den Turbulenzen, die das Erwachsenwerden mit sich brachte, deswegen vertraute er Penny, Jonny&Co noch heute - wenn nötig wohl auch blind.
Einer Frau an seiner Seite hatte er niemals blind vertraut. Ein einziges Mal hatte er es getan und er hatte böse dafür bezahlen müssen. Manchmal hatte man zu lernen, dass Vertrauen eben doch nicht alles war.
Man konnte eine Seele brechen. Man konnte ein Herz entzwei reißen. Man konnte ein Wesen so stark verwunden, dass es auf immer und ewig Narben tragen würde. Man konnte jemanden brandmarken. Aber man konnte den unbedingten Willen nicht besiegen. Auch über Jahre hinweg nicht. Zumindest nicht, wenn dieser jemand Römer war. Erzählte man sich zumindest...

Leonardo hatte den Blick gesenkt, sah auf Lillys Oberschenkel auf seinem Schoß, während ihre Finger durch sein Haar fuhren und damit zu spielen begannen. Die blonden Strähnen, die in mehreren Goldtönen gleichzeitig schimmerten, mal dunkel, mal heller, kringelten sich immer wieder ganz leicht in Lillys Hand. Er schien ein wenig in Gedanken versunken zu sein, der gute Herr Fabbri. Dachte an dies und das. Ob es richtig gewesen war Lilly von seiner Vergangenheit erzählt zu haben? Ihr so stark zu vertrauen? Andererseits: Wann hatte sie ihn schon enttäuscht? Ihn gar hintergangen? Er konnte sich nicht entsinnen.
Irgendwann dann hob der Blonde wieder den Kopf, sah Lilly an und auch sie schien zu begreifen, dass dieser Augenblick vermutlich durch nichts zerstört werden durfte. Sie war einfach nur da, lehnte mit ihrer gewohnten Genügsamkeit seinen Dank ab und drückte ihre Stirn an seine - so verharrten sie eine ganze Weile.
Dann hauchte Leon der Dunkelhaarigen einen Kuss auf die Stirn und hob sie leicht hoch, legte sie neben sich, rollte sich selbst auf die Seite, den Kopf auf den angewinkelten Arm gestützt, den anderen Arm über ihren Bauch gelegt. Beinahe ein wenig verträumt blickte der Römer sie an und man konnte nur erahnen, welchen Gedanken er nachhing.

"Es gehört sich nicht den Dank eines ehrenhaften Römers abzulehnen, Ms Adams. Wie ich sehe haben sie noch ein gehöriges Defizit an gutem Benehmen im Umgang mit einem jahrhundertealten Geschlecht."
Da war es wieder, dieses unverkennbare Lächeln, das zwar ein bisschen den Glanz von Leons Arroganz wiederspiegelte, aber trotzdem die Nähe zu der jungen Frau neben ihm festhielt. Nichts sollte sie in diesem Moment auseinander bringen und hätte man ihn jetzt gefragt, er hätte sie auch für die nächsten Monate nicht missen wollen.
Seine Bernsteinaugen, die zuvor so voller Schmerz gewesen waren, gezeichnet von den Leiden längst vergangener Zeiten, diese Augen ruhten nun auf Lilly, während seine Finger Kreise um ihren Bauchnabel zogen und nahmen sie in sich auf. Er liebte ihre Augen. Das hatte er ihr zwar nie gesagt, doch Lillys Augen waren soetwas wie ein Stückchen Heimat - ob er ihr deswegen so leicht verfiel? Weil sie Sicherheit versprachen. Doch was zählte dies schon? Es war schließlich auch die Person die jemanden ausmachte und - beiGott - sie hatte eine interesannte Persönlichkeit, bei der er natürlich wusste, wie er sie einwickelte.
War sein Lächeln vielleicht auch ein bisschen siegessicher?

{Vertrauen | Lilly | legt sich hin | Augen | Lächeln}

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   Mo Sep 02, 2013 10:02 pm

Der größte Teil der Welt dachte, dass Leon ein frauenmordendes Arschloch war. Naja, nicht im direkten Sinn frauenmordend - aber sie dachten, dass er nicht fähig war für eine längere Beziehung, dass er mit allen nur ins Bett stieg und sie dann fallen ließ wie eine heiße Kartoffel. Sie hielten ihn nicht für einen guten Menschen, sondern nur für jemandem, dem Talent und Berühmtheit zu Kopfe gestiegen waren. Sie kannten ihn als arroganten, egoistischen Mann, der alles tat, um zu bekommen, was er wollte, und keine Rücksicht auf Verluste nahm.
Lillian konnte dem Bild überhaupt nichts abgewinnen. Das hieß, sie konnte es verstehen: das war ein Teil von Leon. Aber es war nicht der Leon, den sie kannte. Das Problem war, dass die Öffentlichkeit nicht den Leonardo Fabbri kannte, der hinter verschlossenen Türen zum Vorschein kam. Sie kannten nicht das weiche Lachen, das seine Züge so jung wirken ließ, oder das Glitzern in seinen Augen, das ihn wieder aussehen ließ wie einen kleinen Jungen. Sie wussten nicht, dass er loyal und aufrichtig war, und für die, die er in seinem Herzen trug, sterben würde. Sie wussten nicht, dass er immer wieder zu dieser einen Frau zurückkehrte.
Vermutlich war es besser so.
Denn dieser Leon hinter verschlossenen Türen, der ja so anders war als der, den alle kannten, das war ihr Leon. Der gehörte Lilly und Lilly ganz allein, so fühlte es sich zumindest an. Wenn alle davon wüssten, wie fantastisch er doch eigentlich war, dann wäre es gar nichts mehr wert. Sie würden andauernd solche intimen Momente haben, und irgendwann würde Lilly den Wert dieser Momente vergessen. So konnte sie es genießen, in sich aufsaugen, darin aufgehen. So würde sie immer wissen, dass es für sie war, nicht für irgendwen anders. So hatte sie etwas, an dem sie sich festhalten konnte, wenn es mal schwierig wurde.

Lilly ließ sich von ihm herumbewegen, bis sie auf der Matratze lag, und beobachtete, wie Leon sich auf die Seite legte. Eigentlich sollte ihr das hier peinlich sein. Sie waren beide splitterfasernackt, und die Decken, die Leon über sie gezogen hatte, bedeckten sie auch kaum bis zu den Oberschenkeln, dank ihres andauernden Herumbewegens. Sie sollte sich entblößt und verletzlich fühlen, und mit keinem anderen hätte sie es wohl zu so etwas kommen lassen.
Seltsamerweise fühlte sie sich aber nur sicherer denn je. Leon konnte alles von ihr sehen, und es war nicht falsch. Sie hatten sich soeben voreinander auf die intimste Art und Weise frei gemacht - und dabei redete sie nicht von dem fantastischen Sex, der nun kaum eine halbe Stunde hinter ihnen lag. Außerdem vertraute sie Leon. Sie wusste, dass er nichts tun würde, was sie nicht wollte, sie wusste, dass sie sich auf ihn verlassen konnte. Sie wusste, dass sie hier einfach so liegen konnten, bis die Sonne morgen früh wieder aufging, und es würde nichts zwischen ihnen verändern; außer vielleicht, dass sie sich sogar noch näher kamen.
Es hatte keinen Sinn mehr, sich einzureden, dass es nur ein bisschen Spaß zwischen Freunden war. Es war Leon, es konnte nicht nichts Festes sein.

"Dann muss ich mich wohl entschuldigen.", antwortete Lilly Leon, ein leichtes Lächeln noch immer auf ihren Lippen. "Ich fürchte, es ist zu lange her, dass ich die italienischen Umgangsformen hatte benutzen dürfen."

Sie fielen zurück in ihr altes Muster aus Geplänkel, und es war so einfach, so richtig. Sie wussten, welche Grenzen sie hatten, wann die Neckerei zur Meckerei wurde, und hielten sich vorsichtig davon fern. Sie wollten einander aufziehen, nicht verletzen - das war immer schon so gewesen, und Lilly hoffte, dass es immer so bleiben würde. Sie mochte es, so mit ihm umzugehen; es war natürlich, als müsste sie gar nicht mehr darüber nachdenken, weil sie es bereits wusste. Es war ein verdammt noch mal fantastisches Gefühl.


{ LEON | Entblößtheit | Antwort }

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BeitragThema: Re: Zimmer 3   So Okt 06, 2013 8:43 am


PLOT 3

Von Siegern, Stress und Prüfungsangst

Es ist so weit! Nachdem das erste Quartal des Ausbildungsjahres für die Azubis geschafft ist, steht nun das erste große Turnier an. Hier werden erstmals die Leistungen der Auszubildenden von international anerkannten Richtern beurteilt und bewertet. Dass das relativ bekannte Drei-tägige-Februar-Turnier dieses Jahr auf den Heaven Meadows Anwesen ausgetragen wird, gibt natürlich einen zusätzlichen Push, lastet jetzt auch noch der Druck der Erwartungen der Hofleitung auf den jungen Menschen.
Die Reitlehrer sind dennoch zuversichtlich, dass ihre Schützlinge gut abschneiden werden, obwohl die Konkurrenz groß ist. Aus der gesamten Umgebung und auch aus anderen Teilen des Landes, kommen viele Reiter an die Westküste nach Kalifornien, um sich hier unter Beweis zu stellen. Dabei sind ebenso nationale wie auch internationale Reiter vertreten, wenn Letztere sicherlich auch in der Unterzahl sind, so verfolgen sie doch alle dasselbe Ziel: in der gewählten Disziplin den begehrten Siegerpokal abzuräumen.

Während nun also erfahrene Hasen des Sportgeschäfts das Ganze relativ gelassen angehen, weil sie den Stress und die Hektik eines solchen Turniers gewohnt sind, ist besonders für die Neueinsteiger und die unerfahrenen Turnierreiter die Aufregung groß.
Wenige Minuten vor dem ersten Start liegen die Nerven blank, die Pferde sind auf Hochglanz poliert, einige tummeln sich schon auf dem Aufwärmplatz, andere kontrollieren noch ein letztes mal nervös, ob die Kleidung auch ja sauber und das Pferd richtig eingeflochten ist. Niemand will hier enttäuschen oder gar versagen, fließt die Bewertung der Jury heute ja auch mit in die Endjahrespunktzahl der Azubis ein.
Auf dem ganzen Hof herrscht reges Treiben, Reiter in schwarzen Jacket und weißer Turnierhose schreiten den Parcour ab, das Orga-Team wuselt über die Plätze, damit beim Start auch alles in Ordnung ist. Die Tierärzte kontrollieren bereits einige Pferde auf Doping - und die Azubis?
Für die ist es nun erstmals an der Zeit, dass sie ihre reiterlichen Fähigkeiten vor Publikum unter Beweis stellen müssen. Am heutigen Tag finden vormittags die Springen in den Klassen E-S und nachmittags die Dressur E-M statt. Am darauffolgenden Tag kommt es dann morgens zum Gallopprennen über 3400m, mittags findet der Distanzritt statt und ab 15.00 Uhr beginnen die Reiterspiele an denen jeder Azubi VERPFLICHTEND mit dem jeweiligen Pflegepferd teilnimmt. Am letzten Turniertag findet um 10.00 Uhr das Westernturnier und ab 16 Uhr sind dann alle herzlich zur Siegerehrung eingeladen.
Es stehen also drei aufregende Tage bevor. Für den gesamten Hof. Also, worauf wartet ihr noch? Letzter Kontrollcheck und dann rauf aufs Pferd oder die Tribüne. Lasset die Spiele beginnen!

> Mittwoch, 24. Februar
> Vormittags, 9.00 Uhr
> milder Morgen, ca. 11°
> es wird jedoch langsam wärmer und verspricht ein angenehmer Tag mit vereinzeltem Sonnenschein zu werden

ALLE, DIE AM SPRINGEN teilnehmen machen nun ihre Pferde fertig und begeben sich auf den Aufwärmplatz; in einer halben Stunde beginnt das Springen! ALLEN ANDEREN ist es freigestellt wo sie posten, allerdings solltet ihr euch an den natürlichen Turnierflair halten, d.h. startet jetzt keinen Ausritt o.Ä. Nehmt z.B. Plätze auf der Tribüne ein etc.

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